Steckt in jedem Mann ein Monster? Der Fall Ulmen als neue Allzweckwaffe der Linken im Geschlechterkampf
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Steckt in jedem Mann ein Monster? Der Fall Ulmen als neue Allzweckwaffe der Linken im Geschlechterkampf

Anhören ( 3 min ) 1.0× +
Steckt in jedem Mann ein Monster? Der Fall Ulmen als neue Allzweckwaffe der Linken im Geschlechterkampf
Steckt in jedem Mann ein Monster? Der Fall Ulmen als neue Allzweckwaffe der Linken im Geschlechterkampf
0:00 -0:00
1.0×
100%
Mehr ▾

Es ist ein Muster, das sich mit beklemmender Regelmässigkeit wiederholt. Ein prominentes Paar trennt sich, es fliegen die Fetzen, Vorwürfe der Gewalt stehen im Raum, und noch bevor ein einziger Richter eine Akte aufgeschlagen hat, ist das Urteil im digitalen Pranger bereits gefällt. Der Fall um den Schauspieler Christian Ulmen und die Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes ist dabei mehr als nur eine weitere Episode im unendlichen Fortsetzungsroman des Promi-Tratsches. Er ist das Symptom einer gesellschaftlichen Verirrung, in der das Private zur ideologischen Allzweckwaffe im Geschlechterkampf umgeschmiedet wird.

CLEMENS BILAN / KEYSTONE
Demonstration gegen sexualisierte digitale Gewalt in Berlin (Symbolbild)
CLEMENS BILAN / KEYSTONE

Was wir derzeit erleben, ist die totale Politisierung des Schlafzimmers. Sobald Vorwürfe der häuslichen Gewalt die Sphäre der Boulevardmedien erreichen, setzt ein Mechanismus ein, der den Einzelfall sofort ins Überdimensionale hebt. Das Ziel der medialen Begleitmusik ist dabei selten die Wahrheitsfindung im konkreten Fall Ulmen. Vielmehr dient das prominente Beispiel als Treibstoff für eine grössere Erzählung: die des «toxischen Mannes».

In grossen deutschen Leitmedien wird der Fall längst nicht mehr als individuelle Tragödie behandelt. Beim Spiegel etwa ist die Rede von einem «strukturellen Problem» – nämlich des «Patriarchats». Damit ist die Richtung vorgegeben: Wenn ein prominenter, vermeintlich «sensibler» Intellektueller wie Ulmen unter Verdacht gerät, dann – so die implizite Logik der Kommentatoren – muss die Gefahr bei jedem Mann lauern. Der Einzelfall wird zur Statistik, die Emotion zur Evidenz.

Rechtsstaat im Rückzug

Das Problem an dieser Dynamik ist nicht die Berichterstattung über Gewalt an Frauen – diese ist ein reales Problem, das konsequente rechtsstaatliche Antworten erfordert. Das Problem ist die Vorverurteilung, die den Rechtsstaat zur Bedeutungslosigkeit degradiert. In den sozialen Netzwerken gilt die Unschuldsvermutung längst als lästiges Hindernis. Wer zur Differenzierung mahnt, gerät sofort in den Verdacht des «Victim Blaming».

Dabei zeigen die Fakten ein weitaus komplexeres Bild. Der Kriminologe Michael Bock weist seit Jahren darauf hin, dass Gewalt in Partnerschaften oft in Form von «situativer Paargewalt» auftritt, an der beide Partner beteiligt sind. Doch solche wissenschaftlichen Einordnungen stören das Narrativ vom «Monster im Mann». Stattdessen liest man in Blogs und Kolumnen Sätze wie: «Wir müssen aufhören, Ausreden für Männer zu finden, die ihre Macht missbrauchen» – eine Formulierung, die Schuld bereits voraussetzt, während die Ermittlungen noch laufen.

Die Instrumentalisierung folgt einem Drehbuch, das Individualschuld in Kollektivschuld transformiert. Wenn Medienformate wie Zeit Online den Fall zum Anlass nehmen, um über das «Gaslighting» zu dozieren, tun sie weder der Wahrheit noch den tatsächlichen Opfern einen Gefallen. Es wird suggeriert, dass hinter jeder verschlossenen Tür im bürgerlichen Milieu ein potenzieller Täter lauert. Damit wird Misstrauen in das Fundament der Gesellschaft gesät: die Beziehung zwischen Mann und Frau. Ein konkreter Ehekrach wird zur systemischen Krise erklärt.

Belege einer Überreaktion

Die Absurdität der Debatte zeigt sich in der Geschwindigkeit der Urteilsbildung. Während die Justiz Monate braucht, produzieren Online-Plattformen im Stundentakt Analysen über die «Anzeichen für toxische Männlichkeit». Es werden Psychologen zitiert, die das Paar nie getroffen haben, um Ferndiagnosen über eine zerstörte Beziehungsdynamik zu stellen.

Diese massive Überinterpretation muss kritisiert werden. Ein eskalierter Konflikt zwischen zwei Individuen ist kein Beweis für das Scheitern einer ganzen Geschlechterordnung.

Man muss Christian Ulmen nicht mögen, und man muss Vorwürfe der Gewalt ernst nehmen. Aber man muss sich weigern, diesen Fall als Munition für einen gesellschaftlichen Feldzug zu akzeptieren. Wenn jeder Mann unter Generalverdacht steht, sobald eine Ehe scheitert, verlassen wir den Boden des Rechtsstaats.

Die Weltwoche plädiert für eine Rückkehr zur Sachlichkeit: Überlassen wir die Urteilsfindung den Gerichten. Alles andere ist kein Journalismus, sondern die Teilnahme an einem medialen Lynchmob, der am Ende nur Verlierer kennt – vor allem die Gerechtigkeit.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.