Die deutsche Chemieindustrie steckt nach Einschätzung der Bundesregierung in einer tiefen strukturellen Krise. Der Umsatz der Branche sank 2024 auf rund 222 Milliarden Euro, nach etwa 261 Milliarden Euro im Jahr 2022, wie aus einem Papier von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche für den Wirtschaftsausschuss des Bundestages hervorgeht. Für 2025 wird ein weiterer Rückgang um rund 3,5 Prozent erwartet. Dies berichtet die Bild-Zeitung.
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Die Produktionsanlagen sind deutlich unterausgelastet. 2025 lag die Auslastung unter 75 Prozent, im dritten Quartal sogar nur bei 70 Prozent. Für eine rentable Produktion seien jedoch mehr als 80 Prozent notwendig. «Damit liegt die Branche seit fast fünf Jahren deutlich unter diesem Basiswert», heisst es in dem Papier. Erste Anlagen wurden bereits stillgelegt.
Als Ursachen nennt der Bericht hohe Energie-, Rohstoff- und Arbeitskosten, strenge Regulierung, lange Genehmigungsverfahren, Fachkräftemangel und eine schwache Nachfrage. Gleichzeitig nehme der internationale Wettbewerbsdruck zu. Grosse Konzerne wie BASF, Lanxess und Dow reagierten mit Stellenabbau und Standortschliessungen.
Der scheidende Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, sagte der Bild: «Nur wenigen ist bewusst, wie ernst die Lage dabei für die gesamte Wirtschaft in Deutschland und Europa ist.» Die Chemie sei eine Schlüsselbranche, von der unter anderem Autoindustrie, Landwirtschaft und Maschinenbau abhingen. In Deutschland arbeiten rund 500.000 Menschen in der Chemieindustrie.
Das Chemieunternehmen Domo Chemicals meldete für den Standort Leuna Insolvenz an, Dow kündigte die Schliessung mehrerer Anlagen bis 2027 an.