Euroclear, die zentrale belgische Verwahrstelle für Finanzvermögen, warnt vor rechtlichen Schritten gegen die EU, sollte diese die rund 200 Milliarden Euro eingefrorener russischer Zentralbank-Gelder beschlagnahmen. Eine solche Massnahme sei unter internationalem Recht illegal, betont CEO Valérie Urbain in einem Interview mit der Zeitung Le Monde.
Screenshot Youtbe/ Euroclear
Für einen Zugriff müsste laut Urbain zunächst ein Gesetz erlassen oder ein offizieller Beschluss der EU-Kommission getroffen und von Belgien bestätigt werden. Sollte Brüssel dennoch handeln, sei Euroclear bereit, den Rechtsweg zu beschreiten. Bereits seit 2022 habe man die eigene Rechtsabteilung massiv ausgebaut – von 10 auf fast 200 Juristen.
Im Raum steht derzeit ein Finanzierungsmodell, bei dem Zinsgewinne aus den eingefrorenen Geldern zur Rückzahlung eines 50-Milliarden-Dollar-Kredits an die Ukraine verwendet werden sollen. Ein weitergehender Vorschlag der EU-Kommission sieht sogar einen Reparationskredit über bis zu 130 Milliarden Euro vor. Die Entscheidung darüber wird beim EU-Gipfel im Dezember erwartet.
Kritik übt Euroclear auch an der Kommunikation: Urbain habe erst durch einen Gastbeitrag von Kanzler Friedrich Merz in der Financial Times von dem Vorhaben erfahren – obwohl Euroclear als Depotbank selbst die betroffenen Vermögenswerte verwaltet. Moskau reagierte unterdessen mit scharfer Warnung: Der russische Botschafter in Belgien bezeichnete eine mögliche Beschlagnahme als Bruch internationalen Rechts und kündigte «ernste Konsequenzen» an.