Es fing gut an für Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter, mit vielen netten Artikeln in den Medien und übertriebenem Lob. Sie sei die starke Frau in der Landesregierung, hiess es überall.
Kaum eine Bundespräsidentin oder ein Bundespräsident hat sich imagemässig dann im Laufe seines Präsidialjahres so verschlechtert wie die St. Gallerin. Stattdessen glänzte ein anderer, Vize-Bundespräsident Guy Parmelin (SVP). Er wurde zum Shootingstar, nachdem er die «trumpsche Zollhürde» für die Schweiz von 39 auf 15 Prozent herunterhandeln konnte – und dies erst noch rückwirkend. Das machte den 66 -jährigen Wirtschaftsminister zum Politiker des Jahres 2025.
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Auch das Parlament honorierte diese Leistung, indem es ihn mit dem sensationellen Ergebnis von 203 von 246 Stimmen zum Bundespräsidenten für das kommende Jahr gewählt hat. Das ist eine verdiente Genugtuung für einen, der lange Zeit wenig zu lachen hatte.
Die Karriere im Schnelldurchlauf: Er wurde anlässlich der Gesamterneuerungswahlen 2015 zum Nachfolger der zurückgetretenen Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) in den Bundesrat gewählt. Zuerst amtete er als Verteidigungsminister und wechselte 2019 ins Wirtschaftsdepartement, welches ihm besser behagte. Lange Zeit war er der Prügelknabe – insbesondere der Ringier-Medien. Der Grund dafür war unter anderem, dass das Lager von Alain Berset – damals der andere Romand in der Regierung – Parmelin gegenüber Medien zeitweise schlechtredete. Man wollte auf Biegen und Brechen verhindern, dass ein populärer Weinbauer der SVP in der Romandie elektoral Auftrieb bringt.
Allerdings verhielt sich der Waadtländer selber zu Beginn seiner Bundesratskarriere etwas ungeschickt. Er unterstützte Steuergeschenke an bäuerliche Grossgrundbesitzer, sein Bruder konnte davon profitieren. Wegen dieser Geschichte bekam sein öffentliches Ansehen eine Delle. Egal, was er danach tat, es hagelte für jede Petitesse teils unverhältnismässige Kritik.
Parmelin ist kein wortgewaltiger Politiker, welcher mit seiner Formulierungsgabe das Publikum entzücken und Kritiker zum Verstummen bringen kann. Anders als ein Ueli Maurer ist er auch kein Mann der Provokationen. Er verkörpert vielmehr das Klischee vom klassischen Schweizer – höflich, fleissig, bescheiden.
Das brachte ihn bisher auf der Beliebtheitsskala nie nach oben, könnte sich jetzt aber ändern – obwohl der Ringier-Verlag sich weiterhin Mühe gibt, ihn in ein schlechtes Licht zu rücken. So wurde er letzthin vom Sonntagsblick kritisiert, weil er auf seinen Dienstreisen im Bundesratsjet keine Journalisten mitnimmt. Auf diese Idee muss man erst einmal kommen.
Bald beginnt sein grosses Jahr mit dem Bundespräsidium.