Die eidgenössische Münzprägeanstalt Swissmint steht wegen Pannen beim Verkauf einer Jubiläumsausgabe des Goldvreneli in der Kritik. Wie die Sonntagszeitung berichtet, reichte der Genfer Sammler Giovanni Sforza am Freitag eine Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft ein. Zuvor hatte er sich erfolglos bei mehreren Bundesstellen und bei Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter persönlich beschwert.
Swissmint
Sforza wollte eines von 2500 Sonder-Goldvreneli erwerben, welche Swissmint am 1. Juli zum Ausgabepreis von 3500 Franken im Onlineshop verkaufte. Doch der Shop brach beim Verkaufsstart zusammen. Sein bestätigter und bezahlter Kauf wurde storniert – wie derjenige Hunderter anderer Käufer. Eine Nachprägung lehnt Swissmint ab. Profit gemacht haben laut Sforza vor allem 27 bevorzugte Händler und einige Käufer, die ihre Münzen nun zu Spitzenpreisen auf Ricardo weiterverkaufen. Ein Exemplar wechselte kürzlich für 10.500 Franken den Besitzer, das Höchstgebot liegt derzeit bei 36.000 Franken.
Der Sammler wirft Swissmint Betrug und ungetreue Amtsführung vor. Er vermutet, der Shop sei manipuliert worden, um bevorzugte Käufer zu bedienen. «Spekulative Weiterverkäufe» durch teils bisher unbekannte Ricardo-Händler seien höchst verdächtig, so Sforza. Swissmint weist die Vorwürfe zurück. Man äussere sich zu dem Vorfall nicht weiter, solange die Anzeige nicht vorliege.
2022 kam es zu einem ähnlichen Skandal: Swissmint-Chef Ronny Mocker hatte selbst eine limitierte Platinmünze erworben und verkaufte sie gewinnbringend weiter. Drei weitere Mitarbeiter der Münzstätte griffen ebenfalls zu. Mocker entschuldigte sich später öffentlich und spendete den Gewinn an die Krebsliga. Weitere Konsequenzen hatte der Vorfall nicht. Laut Vizedirektor Jan Niklas Betz haben diesmal weder der Chef noch Swissmint-Mitarbeitende selbst Münzen gekauft.
Die Finanzdelegation des Parlaments will den Fall nun prüfen. Präsident Lars Guggisberg (SVP) sprach von einem «sehr unschönen» Vorfall. Nationalrätin Sarah Wyss (SP) fordert von Keller-Sutter eine lückenlose Aufklärung. Nationalrat Roman Bürgi nannte es ein «absolutes No-Go», dass bevorzugte Händler vorab beliefert worden seien.
Ob das zweite Verkaufsdebakel innerhalb kurzer Zeit für Swissmint-Chef Mocker weitere Konsequenzen haben wird, ist noch unklar.