Nach wachsendem internationalem Druck und erschütternden Bildern verhungernder Kinder hat Israel am Sonntag eine tägliche «taktische Feuerpause» in drei Gebieten des Gazastreifens angekündigt. Ab sofort sollen täglich von 10 bis 20 Uhr Ortszeit die Kämpfe in Al-Mawasi, Deir al-Balah und Teilen von Gaza-Stadt ruhen. Laut israelischem Militär gilt die Regelung «bis auf weiteres». Zusätzlich wurden sichere Korridore zwischen 6 und 23 Uhr eingerichtet, über die die Uno und andere Organisationen Hilfsgüter verteilen können.
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Die Vereinten Nationen begrüssen den Schritt, weisen aber darauf hin, dass dieser «zu spät für Dutzende von Menschen» kommt, wie CNN berichtet. Hilfsorganisationen warnen, die Feuerpause sei ein Anfang, aber kaum ausreichend. Laut Welternährungsprogramm WFP befinden sich genug Lebensmittel im oder auf dem Weg in den Gazastreifen, um die gesamte Bevölkerung für drei Monate zu versorgen.
Am Sonntag erreichte erstmals seit Monaten ein grosser Hilfskonvoi das Gebiet: Rund hundert Lastwagen passierten den Grenzübergang Kerem Schalom. Israel warf der Uno in der Vergangenheit schlechte Koordination vor – Hilfsorganisationen beklagen hingegen fehlende Genehmigungen und mangelnde Sicherheitsgarantien.
Die israelische Armee begründet die Feuerpause auch als Antwort auf internationale Vorwürfe gezielter Aushungerung. «Diese Massnahme soll die falsche Behauptung einer absichtlichen Hungersnot widerlegen», hiess es. Doch laut CNN halten viele Experten die humanitäre Katastrophe für «menschengemacht und vermeidbar».