In deutschen Erstaufnahmeeinrichtungen sind über 7600 Asylbewerber spurlos verschwunden. Das ergab eine bundesweite Umfrage der Bild-Zeitung unter allen Landesregierungen. Die Betroffenen wurden offiziell registriert, tauchten aber nach kurzer Zeit nicht mehr auf. Der Fall war zunächst in Rheinland-Pfalz aufgefallen, wo ein Mitarbeiter der Einrichtung in Bitburg interne Zahlen an die Presse weitergegeben hatte. Dort fehlen seit Anfang 2024 insgesamt 923 Personen – rund 10 Prozent aller im Zeitraum aufgenommenen Flüchtlinge.
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Wie Bild weiter berichtet, meldeten die Länder insgesamt 7624 abgängige Asylbewerber. Besonders betroffen ist das bevölkerungsreiche Hessen mit 1763 vermissten Personen, gefolgt von Baden-Württemberg (1641) und Nordrhein-Westfalen (1439). Drei Länder – Berlin, Bayern und Sachsen – erfassen die Abgänge gar nicht, sie gelten als «Tal der Ahnungslosen». Thüringen hatte zunächst ebenfalls keine Zahlen, räumte dann aber auf Nachfrage Verschwundene ein.
Die Landesbehörden suchen in der Regel nicht aktiv nach den verschwundenen Flüchtlingen, sondern streichen sie aus den Systemen und sperren deren Bezahlkarten. Viele Asylbewerber seien vermutlich innerhalb Deutschlands untergetaucht, vor allem in Städten mit familiären Netzwerken wie Berlin, Frankfurt oder im Ruhrgebiet. Andere könnten in EU-Staaten oder nach Grossbritannien weitergereist sein. In Einzelfällen wird auch eine Rückkehr ins Herkunftsland vermutet.
Patricia Blei vom Innenministerium Sachsen-Anhalt verweist auf biometrische Erfassungen: «Sollten sie andernorts vorstellig werden, zum Beispiel mit einem Asylantrag, würden sie zurückverwiesen werden.» Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Gordon Schnieder nannte die Entwicklung einen «Asylskandal» und forderte: «Der Staat muss jederzeit wissen, wer sich in seinen Einrichtungen aufhält und wer sie verlässt».