Young Sohn hat nicht nur die Geschichte von Samsung als ehemaliger Präsident mitgeschrieben, sondern hält heute als einer der einflussreichsten Investoren im Silicon Valley die Fäden der künstlichen Intelligenz in den Händen. Und was er unlängst der Weltwoche zu sagen hatte, ist eine schallende Ohrfeige für alle Bedenkenträger und Fortschrittsskeptiker in unseren europäischen Redaktionsstuben.
Für Young Sohn, ein Kind des koreanischen Wirtschaftswunders, das mit Disziplin und Hunger den amerikanischen Traum in der Tech-Welt verwirklicht hat, ist die künstliche Intelligenz nicht einfach nur ein weiteres technisches Spielzeug. Er spricht von einem «Kuna-Moment» – einem hawaiianischen Begriff für die ganz grosse Welle. Wir befinden uns laut Sohn im «ersten Inning» eines Spiels, das die Menschheit radikaler verändern wird als das Internet oder das Smartphone.
Während in Europa die Angst umgeht, die Maschinen würden den Menschen die Arbeit wegnehmen, bleibt Sohn gelassen. Er zieht den Vergleich zur industriellen Revolution: Auch damals dachte man, die Dampfmaschine mache den Menschen überflüssig. Das Gegenteil war der Fall. Die Arbeit veränderte sich, sie wurde effizienter. Sohn unterscheidet zwischen «White Collar»-Jobs (Büroberufe), die durch KI tatsächlich unter Druck geraten, und den «Brown Jobs» – den Klempnern, Elektrikern und Handwerkern, deren physisches Geschick und Problemlösungskompetenz vor Ort unersetzlich bleiben.
Noch wichtiger: Die menschliche Empathie, die Pflege, das Lehren – all das, was uns als Menschen ausmacht – kann keine Maschine kopieren. KI ist ein Werkzeug, ein Turbo-Beschleuniger für Daten, aber der Funke des Genies, die Kreativität, bleibt (noch) unser Privileg.
Besonders hellhörig sollten wir werden, wenn Sohn über die globale Wettbewerbsfähigkeit spricht. Er ist brutal ehrlich: Das Rennen findet derzeit zwischen den USA und China statt. Europa hat zwar kluge Köpfe und Elite-Universitäten wie die ETH, aber es fehlt ihnen an der Skalierung, am Mut zum grossen Kapital und an der Geschwindigkeit. Sein Rat an Schweizer und Europäer: Schützt eure Daten, behaltet sie im Land, aber nutzt die beste verfügbare Technologie durch Partnerschaften. Souveränität bedeutet heute Datensouveränität.
Für ihn ist KI keine Bedrohung, sondern eine «riesige Chance», die die Menschen zwingt, sich auf die ureigenen Qualitäten zu besinnen. Das ausführliche Gespräch sehen Sie hier:
