Die Taliban haben in Afghanistan ein neues Strafgesetz verabschiedet, das Männern erlaubt, ihre Ehefrauen zu schlagen, solange keine «gebrochenen Knochen oder offenen Wunden» entstehen. Dies berichtet der Telegraph, dem der 60-seitige Kodex vorliegt. Das von Taliban-Führer Hibatullah Achundsada unterzeichnete Dokument wurde an Gerichte im Land verteilt.
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Der Kodex stuft Schläge gegen Ehefrauen als Ermessensstrafe ein und nicht als Straftat. Selbst bei nachweislich schweren Verletzungen beträgt die Höchststrafe fünfzehn Tage Haft. Um Anzeige zu erstatten, muss eine Frau ihre Verletzungen persönlich einem männlichen Richter vorzeigen, vollständig verschleiert und in Begleitung eines männlichen Vormunds. In den meisten Fällen ist dies laut Bericht der Ehemann.
Artikel 34 sieht vor, dass eine Frau, die ohne Erlaubnis ihres Mannes in das Elternhaus flieht, mit bis zu drei Monaten Haft bestraft wird. Angehörige, die sie aufnehmen, müssen mit der gleichen Strafe rechnen. Ein ausdrückliches Verbot körperlicher, psychischer oder sexueller Gewalt gegen Frauen enthält das Gesetz nicht.
Der Kodex ersetzt frühere Regelungen, die Zwangsheirat, Vergewaltigung und häusliche Gewalt unter Strafe gestellt haben. Zudem kriminalisiert er unter anderem das Tanzen sowie Kritik an Entscheidungen der Taliban-Führung. Es besteht kein Anspruch auf anwaltliche Vertretung. Seit der Machtübernahme im August 2021 haben die Taliban die Rechte von Frauen schrittweise eingeschränkt.