Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin kritisiert die Förderung muslimischen Lebens durch die Politik und warnt vor einem Ungleichgewicht im Umgang mit Religionen. Das sagte er im Gespräch mit der Welt.
«Wir müssen kein jüdisches Leben fördern, wir müssen kein christliches Leben fördern und wir müssen kein muslimisches Leben fördern», erklärte Sarrazin. Religionen würden sich selbst tragen. Anlass seiner Kritik ist ein Antrag der Grünen, der unter anderem besseren Schutz von Moscheen, mehr islamischen Religionsunterricht und rechtliche Anpassungen bei Feiertagen vorsieht.
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Sarrazin sieht darin eine einseitige Entwicklung. «Mehr und mehr Politiker gehen zum Ramadan – und währenddessen werden unsere Weihnachtsmärkte zu Festungen ausgebaut», sagte er. Dies habe «auch irgendwo mit dem Islam zu tun» mit Blick auf islamistischen Terrorismus.
Auch kulturell diagnostiziert er eine Verschiebung. «Es wird von vielen das kulturell Fremde begrüsst, weil man das eigene ablehnt», sagte Sarrazin. Teilweise entstehe der Eindruck, «als ob sie deutsche Kultur eigentlich gar nicht so mögen».
Zugleich äusserte er Kritik an Integrationsprozessen. «Die Muslime leben ja völlig mit dem Rücken zur europäischen Kultur», sagte er. Viele bewegten sich vor allem innerhalb eigener sozialer Strukturen, nutzten jedoch die wirtschaftlichen Möglichkeiten in Deutschland.
Langfristig warnte Sarrazin vor demografischen Veränderungen: «Wenn das so weitergeht mit den Geburtenraten und mit der Zuwanderung, dann werden wir in 50, 60 Jahren in diesem Land muslimische Mehrheiten haben.»
Die Debatte über den entsprechenden Grünen-Antrag im Bundestag wurde bereits mehrfach verschoben und soll in einer der nächsten Sitzungswochen nachgeholt werden.