Trotz eines Rückgangs im vergangenen Jahr exportiert Russland weiterhin mehr Rohöl als vor Beginn des Ukraine-Kriegs. Das geht aus einem Bericht des finnischen Think-Tanks Centre for Research on Energy and Clean Air (Crea) hervor, über den der Sender France 24 berichtet.
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Demnach lagen die russischen Rohölexporte im vierten Kriegsjahr mengenmässig 6 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Gleichzeitig sanken die Einnahmen aus Rohölexporten in den zwölf Monaten bis zum 24. Februar um 18 Prozent auf 85,5 Milliarden Euro. Russland musste laut Bericht Preisnachlässe gewähren, um Abnehmer zu halten.
«Wir haben einen deutlichen Rückgang der russischen Einnahmen aus dem Export fossiler Brennstoffe infolge neuer Massnahmen und einer strengeren Durchsetzung gesehen», sagte Isaac Levi, Analyst bei Crea und Mitautor des Berichts, laut AFP. Zugleich gebe es weiterhin «erhebliche Schlupflöcher und Bereiche, die von den sanktionierenden Ländern nicht angegangen wurden», wodurch die Exportmengen hoch blieben.
Als Schlupflöcher nennt der Bericht unter anderem die Nutzung einer sogenannten Schattenflotte mit undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen sowie die Wiederausfuhr von Produkten aus russischem Rohöl. 93 Prozent der Ausfuhren gingen demnach nach China, Indien und in die Türkei. Die EU listet 598 Schiffe, die der Schattenflotte zugerechnet und von europäischen Häfen ausgeschlossen sind.
Crea fordert strengere Massnahmen, darunter ein Importverbot für Raffinerien oder Lagerterminals, die in den vergangenen sechs Monaten russisches Öl erhalten haben, sowie ein härteres Vorgehen gegen Schiffe der Schattenflotte. Trotz westlicher Sanktionen bleibt das Exportvolumen damit über dem Vorkriegsniveau.