Trotz umfassender Sanktionen sprudeln Russlands Exporteinnahmen weiter: 2024 stiegen die Ausfuhren in die zwanzig wichtigsten Handelspartner inflationsbereinigt um 18 Prozent auf 330 Milliarden US-Dollar. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt in einem Bericht, dass insbesondere Länder wie China, Indien, Brasilien und die Türkei ihren Import russischer Rohstoffe massiv ausgebaut haben – allen voran Öl und Gas.
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Die USA erwägen nun drastische Sekundärzölle: Auch Drittstaaten, die russische Güter verarbeiten oder weiterverkaufen, sollen zur Kasse gebeten werden – mit Zöllen von bis zu 500 Prozent. Vor allem China mit Importen von über 130 Milliarden US-Dollar wäre betroffen. Der Vorstoss wird von US-Senatoren vorangetrieben, stösst in der EU jedoch auf Skepsis. Die Europäer fürchten wirtschaftliche Verwerfungen und eine Zolleskalation.
Ein besseres Mittel, so das IW, wäre ein deutlich gesenkter Ölpreisdeckel. Der derzeitige Deckel von 60 Dollar pro Barrel habe wegen sinkender Weltmarktpreise seine Wirkung verloren. Ein Preislimit von 30 Dollar hätte Russlands Einnahmen im April 2025 um rund 4,1 Milliarden Euro reduziert.
Auch die sogenannte Schattenflotte – Tanker mit undurchsichtiger Eigentümerstruktur – steht im Fokus. Sie wird zunehmend mit Sabotageakten in Verbindung gebracht. Das IW fordert deshalb Sekundärsanktionen gegen Drittstaaten-Reedereien und ein komplettes Verbot von Schiff-zu-Schiff-Transfers russischer Waren in EU-Gewässern.
Brisant: Im dritten Kriegsjahr übertrafen die EU-Importe russischer Energieprodukte den Wert der EU-Hilfen an die Ukraine. Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Ungarn und die Slowakei, gelten weiterhin als bedeutende Abnehmer.