Trotz aller Zugeständnisse – keine Gewalt gegen Grönland, keine Zölle: Donald Trump hat die Europäer nach Strich und Faden erniedrigt und gedemütigt.
Sie zitterten Trump entgegen wie verängstigte Kinder dem strengen Vater. Wie würde «Daddy» drauf sein? Gutgelaunt? Auf Krawall gebürstet? Würde er tadeln? Strafen? Sie hielten sich für brav, aber bei dem erratischen Papa weiss man nie.
André Springer
Trump kannte diese Stimmung, und er genoss jede Minute. Er spielte mit den Europäern, tadelte nur ein wenig, und packte dann sogar ein kleines Geschenk aus. Dann handelte er ruckzuck einen Deal für Grönland aus – mit Mark Rutte von der Nato, der – proktologisch versiert – das Ohr des Präsidenten erreicht hatte.
Was Fragen aufwirft: Wurde der Deal aus dem Stegreif gezaubert? Legte ihn Trump vor, und Rutte nickte wie ein Wackeldackel? Oder wurde er mit der Nato vorbereitet? Warum wurden dann Europas Regierungschefs nicht informiert?
Letztere stürzte Trumps Haarnadelkehre in ein Dilemma. Sollten sie ihre Waffen – die «Handelsbazooka» – wieder wegpacken? Den Notstandsgipfel abblasen?
Im Moment sieht es danach aus, dass sie dies nicht vorhaben. Sie scheinen wirklich sauer und proben den Aufstand. Den Aufstand gegen die neue Welt der Grossmächte.
Ihr Problem: Europa ist keine Grossmacht. Es ist abhängig – vor allem von den USA: militärisch, digital, energiepolitisch. Und Europa hat keine Alternativen, seit es mutwillig sein Verhältnis zu Russland und China zerstört hat. Übrigens auf Geheiss der amerikanischen «Freunde». Die damals nicht von Trump regiert wurden, sondern von Joe Biden und Saint Obama.