Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat am Montag in Davos begonnen. Rund 3000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nehmen am 56. Jahrestreffen teil. Thematisch dominiert der US-Präsident die Veranstaltung – mit der grössten US-Delegation der WEF-Geschichte und einer für Mittwoch angekündigten Rede. Medien sprechen bereits von einem «Little America» in den Schweizer Alpen.
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Für Aufsehen sorgte auch die kurzfristige Ausladung des iranischen Aussenministers Abbas Araghtchi. Wegen der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten in seiner Heimat – laut Menschenrechtsgruppen mit Tausenden Todesopfern – erklärten die Organisatoren, eine Teilnahme sei «nicht richtig». Auch US-Senator Lindsey Graham kritisierte die ursprüngliche Einladung scharf.
Gleichzeitig wächst der Widerstand auf der Strasse: Rund 600 Demonstranten zogen am Wochenende aus Küblis Richtung Davos. Sie fordern ein Ende kapitalistischer Machtstrukturen und werfen dem WEF vor, ein Forum für globale Eliten zu sein. Mit Slogans wie «Demokratie statt WEF-Diktatur» kritisieren sie vor allem die Präsenz von Donald Trump.
Zum ersten Mal seit seiner Gründung findet das WEF ohne Klaus Schwab statt. Der langjährige Forumsvorsitzende hat sich im vergangenen Jahr nach interner Kritik und einer Führungsaffäre zurückgezogen. Die neue Leitung unter Larry Fink und André Hoffmann steht nun vor der Aufgabe, die globale Relevanz des Treffens neu zu behaupten. Dabei steht das diesjährige Treffen offiziell unter dem Motto «Geist des Dialogs». Kritiker zweifeln jedoch daran, ob dieses Leitmotiv mit Trumps Konfrontationskurs vereinbar ist. Seine jüngsten Strafzoll-Drohungen gegen Europa, sein anhaltendes Interesse am Kauf Grönlands und die Eskalation im Verhältnis zum Iran werfen Schatten auf die Gespräche in Davos. WEF-Vertreter verteidigen die Einladung mit Verweis auf die Neutralität der Plattform: Trump sei «Teil der Welt, in der wir leben».