«Trump ist so stark wie nur wenige Kandidaten vor ihm»: Ed McMullen, der ehemalige US-Botschafter in der Schweiz, über den amerikanischen Wahlkampf und warum die Leute die Nase voll haben von kriegslüsternen Politikern
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

«Trump ist so stark wie nur wenige Kandidaten vor ihm»: Ed McMullen, der ehemalige US-Botschafter in der Schweiz, über den amerikanischen Wahlkampf und warum die Leute die Nase voll haben von kriegslüsternen Politikern

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat bisher bei den republikanischen Vorwahlen beachtliche Resultate eingeholt. In einigen Staaten hat er bis zu 50 Prozent Vorsprung gegenüber den anderen Kandidaten. Totgesagte leben meist länger. Der ehemalige amerikanische Botschafter für die Schweiz und Liechtenstein, Edward McMullen, ist einer der wichtigsten Fundraiser von Trump und ordnete die Resultate der Vorwahlen für uns ein.

Copyright 2024 The Associated Press All Rights Reseerved
Republican presidential candidate former President Donald Trump gestures at a campaign rally Saturday, March 2, 2024, in Richmond, Va
Copyright 2024 The Associated Press All Rights Reseerved

Weltwoche: Herr McMullen, wie erklären Sie sich den Erfolg von Donald Trump bei den Vorwahlen der Republikaner? Welches ist der Hauptgrund dafür, dass er praktisch immer noch ausser Konkurrenz ist?

Edward McMullen: Donald Trump hat bei den Vorwahlen der Republikaner historische Siege eingefahren. Iowa gewann er mit 40 Prozent mehr Stimmen als Nikki Haley, in Michigan war sein Vorsprung über 50 Prozent, und sogar in South Carolina, dem Heimatstaat von Haley und damit grossen Test für Trump, holte er 30 Prozent mehr Stimmen. Die Vorwahlen sind für Trump und sein Team vorbei, diese bereiten sich jetzt schon für die «General Election» im November vor. Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im November zeigen die Umfragen, dass er Joe Biden in den umkämpften Bundesstaaten, den sogenannten battleground states, überholt. Trumps Anziehungskraft liegt in der Erfolgsbilanz seiner letzten Präsidentschaft: Er hat seine Versprechen in Bezug auf Migration, Wirtschaft und globalen Frieden unter dem Motto «America first!» erfüllt – jetzt, wo die Welt im Chaos ist, suchen die Menschen einen sicheren Wert. Jemanden, der nicht nur verspricht, sondern seine Versprechen auch umsetzt. Amerika und die Welt waren unter Trump freier, wohlhabender und sicherer. Die Umfragen und die aktuelle Ausgangslage für Trump deuten darauf hin, dass er gute Chancen hat, im November wieder Präsident zu werden.

Weltwoche: Nikki Haley hat in den Vorwahlen ihren Heimatstaat South Carolina verloren. Weshalb? Und wieso ist sie bei ihrer Ansammlung von Niederlagen noch nicht zurückgetreten?

McMullen: Niemand versteht, weshalb sich Haley noch im Rennen hält. Denn die Niederlage in ihrem Heimatstaat hätte eigentlich das Ende ihrer Kampagne bedeuten sollen. Ich sehe keine Möglichkeit, wie sie die Vorwahlen noch gewinnen soll, wenn sie nicht einmal ihren Heimatstaat gewinnen kann. Sie hat einfach nicht den Rückhalt, der für einen Sieg nötig wäre – keine solide Basis und keine Unterstützung. Auch nicht durch die Demokraten, die sie bei den Vorwahlen für sich zu mobilisieren versucht. Denn diese werden bei der Präsidentschaftswahl im November trotzdem Biden wählen. Sie hat auch eine neokonservative, kriegslüsterne Agenda, von der die Leute die Nase voll haben. Sie wollen, dass die Welt friedlicher wird, die Kriege im Nahen Osten und der Ukraine beendet werden. Aber vor allem kümmern sie sich mehr um die einheimischen Probleme wie die Situation an der Südgrenze zu Mexiko. Hier ist Trump der überzeugendste und glaubwürdigste Kandidat.

Weltwoche: Ist das Migrationsthema eines der dominierenden im amerikanischen Wahlkampf?

McMullen: Die Situation an der Grenze ist für die Menschen sehr besorgniserregend, und sowohl Joe Biden als auch Trump haben sie in den letzten Tagen besucht. Während des Besuchs von Joe Biden lief er herum wie ein alter Grossvater. Wenn er die illegale Zuwanderung von Kriminellen und Verbrechern stoppen wollte, könnte er das bereits morgen anordnen. Trumps Auftritt an der Südgrenze war hingegen selbstbewusst, weil er in diesem Thema eine unvergleichliche Glaubwürdigkeit geniesst. Diese zwei Besuche zeigen einen politischen Kontrast auf, der für das amerikanische Volk nicht offensichtlicher sein könnte.

Edward McMullen, US-Botschafter für die Schweiz, spricht bei einer Pressekonferenz anlaesslich einer Vereinbarung zwischen dem Tessiner Start-up-Unternehmen DAC System und der amerikanischen Firma Dielectric, am Mittwoch, 21. Oktober 2020, im Manno. (Keystone/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Weltwoche: Kann Haley der Partei noch schaden?

McMullen: Wer so schwach ist, kann der Partei keinen Schaden anfügen. Nikki Haley ist erledigt.

Weltwoche: Was erwarten Sie vom «Super Tuesday», an dem in fünfzehn Staaten gleichzeitig Vorwahlen stattfinden?

McMullen: Ich erwarte einen gewaltigen Sieg am «Super Tuesday». Die Vorwahlen sind praktisch vorbei, und es wird sich zeigen, dass Präsident Trump so stark ist wie nur wenige Kandidaten vor ihm. Haley sollte an diesem Tag endgültig zurücktreten.

Weltwoche: Inwieweit ist die Republikanische Partei geeint? Und gibt es Anzeichen für eine vorgetäuschte Loyalität gegenüber Trump, wie wir sie am Ende seiner Präsidentschaft zu sehen bekamen?

McMullen: Es gibt viele Personen in Washington, die sich von Kabinett zu Kabinett hindurchschlängeln, hauptsächlich aus beruflichen Gründen und nicht aus Pflichtgefühl gegenüber dem Land. Trump hat aus seiner ersten Amtszeit gelernt, und er weiss, dass es ein Team braucht, das aus intelligenten, fähigen und loyalen Mitgliedern besteht, die seine politische Agenda zweifellos teilen. Da er sich der komplizierten und manchmal tückischen Natur der politischen Landschaft Washingtons nun bewusst ist, konzentriert sich Trump darauf, sich mit Personen zu umgeben, die in der Regierungsführung versiert sind und sich felsenfest den Interessen des Landes verschrieben haben.

Weltwoche: Noch zuletzt: Wen wird Donald Trump zu seinem Vizepräsidenten wählen?

McMullen: Der Präsident hat noch keine Entscheidung getroffen, auch wenn andere behaupten, dass sie seine Wahl kennen – sie lügen. Trump konzentriert sich darauf, jemanden auszuwählen, der ihm bei der Umsetzung seiner Agenda helfen wird, einen klugen Intellektuellen, der mit seinen politischen Überzeugungen übereinstimmt und im Notfall ein guter Präsident sein könnte. Die Behauptung, der Vizepräsident solle die Basis bei den Wahlen erweitern, ist Unsinn; die Erfahrung zeigt, dass die Menschen nicht wegen der Vizepräsidenten zur Urne rennen. Entscheidend ist, dass man jemanden wählt, der in der Lage ist, das Amt auszuüben, und den Präsidenten im Notfall ersetzen kann.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.