Trump rudert zurück, der Iran jubelt – doch aufgepasst vor leichtfertigen Diagnosen
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Trump rudert zurück, der Iran jubelt – doch aufgepasst vor leichtfertigen Diagnosen

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Trump rudert zurück, der Iran jubelt – doch aufgepasst vor leichtfertigen Diagnosen
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Donald Trump hat überraschend einen fünftägigen Halt bei den US-Luftanschlägen auf die iranische Energieinfrastruktur ausgerufen. Während der US-Präsident von «sehr guten und produktiven» Gesprächen zur Beilegung der Feindseligkeiten berichtet, beeilt sich Teheran, medienwirksam zu betonen, dass solche Verhandlungen mit den USA faktisch nie stattgefunden hätten. In den hiesigen Mainstream-Medien finden sich daraufhin sogleich die gewohnt düsteren Bilanzen: Trump rudere mutlos zurück, das Mullah-Regime gewinne die Oberhand, und der «Vier-Wochen-Krieg» sei krachend gescheitert.

Mark Schiefelbein/AP Photo/Keystone
US-Präsident Donald Trump
Mark Schiefelbein/AP Photo/Keystone

Es ist das altbekannte Muster. Sobald Washington und Jerusalem militärisch handeln, formiert sich reflexartig eine moralisch aufgeladene Kritikfront. Donald Trump und Benjamin Netanjahu erscheinen darin als Brandstifter, der Iran hingegen fast als Getriebener. Hier zeigt sich die bekannte europäische Ambivalenz: Man erklärt Israels Sicherheit zur Staatsräson, zieht sich aber zurück, sobald diese Sicherheit konkret verteidigt werden muss. Worte gibt es viele, Konsequenz deutlich weniger. Das schafft ein Vakuum, das andere füllen.

Man sollte sich davor hüten, aus einer verständlichen Abneigung gegen Trump oder Netanjahu unkritisch die Perspektive der Mullahs zu übernehmen und deren Erzählung von der defensiven Standhaftigkeit auf den Leim zu gehen. Es lohnt sich stattdessen, die «Brille der Beteiligten» im Nahen Osten aufzusetzen: Für Israel ist das iranische Regime nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 und der jahrelangen Aufrüstung von Stellvertreter-Milizen wie der Hamas und der Hisbollah keine abstrakte politische Grösse, sondern eine reale, existenzielle Bedrohung. Wer das Existenzrecht Israels in Sonntagsreden beschwört, darf nicht wegschauen, wenn dieses Land nun die Quellen des Terrors direkt angreift.

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Auch der Blick auf die arabischen Nachbarstaaten ist aufschlussreich: Dort wird die iranische Hegemonialpolitik zunehmend als destabilisierend und terroristisch gebrandmarkt, da man die ballistischen Raketen Teherans im eigenen Nacken spürt. Wer die Situation nur durch die westliche, moralisierende Brille betrachtet, verkennt, dass eine Schwächung des iranischen Einflussfes für viele Akteure im Nahen Osten die Voraussetzung für eine echte, dauerhafte Stabilität darstellt.

Der Iran-Krieg ist noch nicht entschieden, und wir sollten uns vor voreiligen historischen Urteilen hüten. Gewiss, die Lage könnte sich noch katastrophal auswachsen, doch ein solches Ende ist keineswegs in Stein gemeisselt. Die Lage im Nahen Osten ist komplexer, als sie von Kritikern im Westen oft gedeutet wird, weshalb sich Zurückhaltung bei abschliessenden Urteilen und Ausgangsanalysen aufdrängt. Analytisch bleiben, statt sich dem defätistischen Tenor der Schwarzmaler anzuschliessen ist das Plädoyer der Stunde, denn die Würfel im Nahen Osten fallen gerade erst.

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