Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat mit Wirkung vom 27. August Strafzölle in Höhe von 50 Prozent auf fast alle indischen Exporte verhängt. Begründet wurden die Massnahmen mit Indiens anhaltendem Import von russischem Öl. Doch in Delhi sieht man weder eine dauerhafte Bedrohung für die eigene Wirtschaft noch eine Notwendigkeit zur Eskalation.
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Wie das indische Handelsministerium in der Zeitung Times of India betonte, wird es zwar kurzfristige Einbussen in den Sektoren Textil, Chemie und Maschinenbau geben; doch die Wirtschaft Indiens sei robust genug, die Belastung abzufedern. Geplant ist eine rasche Umsetzung der «Export Promotion Mission» zur Stärkung der Lieferketten und Diversifizierung der Ausfuhren.
Aus Sicht führender Kommentatoren wird der Schritt als klarer Bruch mit den WTO-Regeln gewertet. In einem Leitartikel des Indian Express heisst es, die US-Zölle verletzten zentrale Prinzipien der Welthandelsorganisation und missachteten die Meistbegünstigungsklausel. Indien habe zuvor weitreichende Zugeständnisse gemacht, etwa bei Zöllen auf Bourbon, Motorräder und Elektroautos. Ein Rückschlag sei das dennoch nicht, sondern vielmehr ein Weckruf. Indien müsse seine Exportstruktur verbreitern, neue Märkte erschliessen und Freihandelsabkommen mit Partnern wie der EU, Japan oder Asean abschliessen. Auch die Beziehungen zu den Brics-Staaten sollen intensiviert werden.
Eine Gegenreaktion auf die US-Zölle wird es laut indischer Regierung nicht geben. Man wolle sich nicht in eine Spirale der Eskalation begeben. Stattdessen setzt Delhi auf langfristige strategische Anpassung. Die Erfahrung wird als Chance verstanden – ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel im Geist der Reformen von 1991.