Kriege zu beenden, anstatt sich in «ewige Kriege» verwickeln zu lassen. Acht davon will Donald Trump in seiner noch jungen Amtszeit beendet haben. An einer Lösung in der Ukraine arbeitete er mit viel Energie und dem Blick für das Machbare, wenngleich er sich von den Europäern und Selenskyj ausbremsen liess.
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Sogar den Friedensnobelpreis hat er für sich beansprucht und zu seiner Enttäuschung nicht bekommen. Die Medaille des eigens für ihn geschaffenen «Friedenspreises der Fifa» hängte er sich stolz wie ein kleines Kind selbst um. Noch im Wahlkampf erklärte Trump, dass seine Gegner eine Welt im Frieden geerbt, aber daraus einen Planeten des Krieges gemacht hätten. Er hingegen wolle ein Präsident sein, der keine neuen Kriege beginne.
Doch in den ersten zwölf Monaten seiner zweiten Amtszeit hat Trump Angriffe auf sieben Länder angeordnet – darunter Somalia, Irak, Jemen, Venezuela und nun Iran. Die verhassten regime change-Kriege führt er nun selbst, mit einem Risikobewusstsein und einer Chuzpe wie wohl kein Präsident vor ihm. Es sieht so aus, als hätten ihn die singulären Möglichkeiten, die das US-Militär hat, geradezu dazu zu verleitet, an die Grenzen des Machbaren zu gehen. Von Angriffen auf vermeintliche Drogenschmuggler in der Karibik über die gewaltsame Entführung eines Regierungschefs bis hin zur gezielten Tötung eines Staatsoberhauptes war fast alles dabei. Was kommt als Nächstes?
Eine atemberaubende Wende, die jenen recht gibt, die in Trump einen unberechenbaren und zu allem fähigen Hasardeur sehen. Wenn die USA nun wieder einmal allein aus eigenem Recht Regierungen stürzen und ferne Länder bombardieren und umpflügen, dann scheinen die Gesetzmässigkeiten eines aggressiven Weltpolizisten USA wieder einmal Bestätigung zu finden.
Die damit verbundene Hybris ist legendär. Zwischen 1776 und 2026 hat die Weltmacht USA rund 400 militärische Interventionen in anderen Ländern durchgeführt – die meisten haben mehr Probleme verursacht als gelöst.
Frieden durch Stärke war Trumps Programm, nicht mit Stärke Kriege führen. Die gute Nachricht: Seine Basis wird ihm das aller Wahrscheinlichkeit nicht durchgehen lassen. Doch der Flurschaden ist gewaltig.
Johannes Varwick ist Professor für Internationale Beziehungen und europäische Politik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seit Mai 2024 präsidiert er das Wissenschaftliche Forum für Internationale Sicherheit. Zuletzt von ihm erschienen: «Stark für den Frieden».