Die Schuldige scheint gefunden: Bundespräsidentin Keller-Sutter ist verantwortlich für den GAU im Zollpoker.
US-Präsident Donald Trump sei schlecht gelaunt gewesen, habe einzig vom Handelsdefizit von 39 Milliarden Dollar gesprochen, und verlangt, die Schweiz müsse mehr bezahlen. Dies berichtete die Sonntagszeitung.
Keller-Sutter habe beim Telefonat mit Trump den falschen Ton angeschlagen, bestätigen verschiedene Quellen aus dem Umfeld des US-Präsidenten gegenüber der Weltwoche. Sie habe auf Trump einen «aggressiven» Eindruck hinterlassen. Sie habe dozierend und belehrend referiert. «Das kommt bei Trump schlecht an und löst Ablehnung aus», so ein Insider. «Jeder, der Trump kennt, weiss, dass man keine schrille Frau einsetzt, um mit ihm zu verhandeln.»
Mehrere Stimmen aus dem direkten Umfeld des Weissen Hauses ziehen Parallelen zu dem Fiasko, das der ukrainische Präsident Selenskyj im Oval Office erlebt hat: «Dieses Telefonat war schlimmer als das Selenskyj-Treffen im Weissen Haus.»
Trumps rational nicht nachvollziehbare Zollmarge von 39 Prozent sei eine Reaktion auf Keller-Sutters Verhalten gewesen. «Das war persönlich. Es hat nichts mit dem Land zu tun. Es geht um die Art und Weise, wie sie mit der Situation umgegangen ist, wie sie versucht hat, Trump in die Defensive zu drängen», sagt eine Quelle mit Kenntnis des Telefonats. «Das Ergebnis war eine persönliche Ohrfeige für die Bundespräsidentin.»
Doch Keller-Sutter trägt offenbar nicht allein Schuld am Fiasko. Die Schweizer hätten zwei Fehler begangen: «Der Bundesrat hätte schneller handeln müssen. Sie hatten dieses Abkommen [memoradum of understanding] vor vier, fünf Wochen abgeschlossen und liessen es einfach liegen, ohne es weiterzuverfolgen», ist von amerikanischer Seite zu hören.
Zweitens könne man nicht um «fünf vor zwölf» einen Deal abschliessen, ohne einen Plan B vorbereitet zu haben. Als Trump am Telefon die Defizitkeule schwang, vermochte Keller-Sutter offenbar nicht zu parieren. «Die Schweiz hätte einige Trumpfkarten im Ärmel haben sollen, um mit Trump einen Handel abzuschliessen.»