Die Europäische Union rechnet in den kommenden zwei Jahren mit einem Finanzbedarf von über 140 Milliarden Euro zur Unterstützung der Ukraine – sowohl für die militärische Verteidigung als auch für die Aufrechterhaltung staatlicher Strukturen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.
Demnach schätzt der Internationale Währungsfonds den ukrainischen Haushaltsbedarf allein für 2026 und 2027 auf 60 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommen voraussichtlich mindestens 80 Milliarden Euro für militärische Ausgaben. Auch bei einem möglichen Waffenstillstand sei weiterhin mit Ausgaben von über 20 Milliarden Euro jährlich zu rechnen.
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US-Präsident Donald Trump hat die finanzielle Unterstützung für Kiew deutlich reduziert. Die EU sieht sich nun gezwungen, die Lücke zu füllen. Kanzler Friedrich Merz und EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen plädieren dafür, eingefrorene russische Zentralbankguthaben in der EU als Sicherheit für Kredite zu nutzen. Konkret ist von Darlehen über 140 Milliarden Euro die Rede.
Die Rückzahlung des Geldes durch Russland soll nur erfolgen, wenn Moskau nach Kriegsende zu Reparationen bereit ist. Andernfalls sollen EU-Staaten für mögliche Rückforderungen haften. In Belgien – wo ein Grossteil der eingefrorenen russischen Gelder vom Finanzdienstleister Euroclear verwaltet wird – bestehen allerdings rechtliche Vorbehalte gegen das Vorhaben.
Die EU-Kommission will auf dem Gipfel in der vorletzten Oktoberwoche eine Einigung erzielen, um erste Auszahlungen im zweiten Quartal 2026 auf den Weg zu bringen. Der EU-Beamte warnte: Ein Stopp der Unterstützung würde nicht nur den Zusammenbruch der Ukraine riskieren, sondern auch die Sicherheit Europas gefährden.
Seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine im Februar 2022 haben die EU und ihre Mitgliedstaaten bereits rund 178 Milliarden Euro an Hilfen für die Ukraine bereitgestellt.