Obwohl sich die Schweizer Bevölkerung grundsätzlich sicher fühlt, ist das Vertrauen in die Schlagkraft der eigenen Armee auf einem Tiefpunkt angelangt. Laut dem aktuellen Chancenbarometer des Think-Tanks Strategiedialog 21 bezweifeln drei Viertel der Befragten, dass die Schweizer Armee einen konventionellen militärischen Angriff abwehren könnte; bei hybriden Bedrohungen wie Cyberattacken oder Desinformation sind es sogar 80 Prozent. Diese Skepsis rührt unter anderem daher, dass die Gefahr eines militärischen Überfalls mit nur 6 Prozent als äusserst gering eingeschätzt wird. Viel stärker wiegen im Sicherheitsgefühl der Menschen innenpolitische Faktoren: Die grössten Sorgen bereiten der Bevölkerung die Kriminalität im öffentlichen Raum, die gesellschaftliche Polarisierung sowie eine mögliche Aushöhlung von Rechtsstaat und Demokratie.
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Diese Verschiebung der Prioritäten zeigt sich auch in der schwindenden Bedeutung der Neutralität, die nur noch für 22 Prozent der Befragten ein zentraler Sicherheitsfaktor ist – wobei hier eine tiefe politische Kluft zwischen der SVP-Anhängerschaft und dem Rest der Parteienlandschaft besteht. Statt auf Alleingänge setzt eine deutliche Mehrheit von rund 72 Prozent auf eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarstaaten, und auch eine Annäherung an die Nato findet bei über der Hälfte der Bevölkerung Zustimmung. Finanziell zeigt sich die Schweiz zwar bereit, verstärkt in Rüstungstechnologien zu investieren, lehnt jedoch starre Vorgaben nach internationalem Vorbild mehrheitlich ab. 64 Prozent der Befragten bevorzugen stattdessen ein flexibles Budget, das sich am tatsächlichen Bedarf der Armee orientiert.
Die Studie basiert auf einer repräsentativen Onlinebefragung, die Ende 2025 vom Forschungsinstitut Sotomo durchgeführt wurde. Dabei wurden über 5200 Personen aus allen Sprachregionen der Schweiz befragt. Der statistische Fehlerbereich der Erhebung liegt bei etwa 1,4 Prozentpunkten.