Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Im Gazastreifen droht eine Hungersnot von historischem Ausmass. «Die gesamte Bevölkerung Gazas ist von einer Hungersnot bedroht. Familien müssen hungern, und ihnen wird das Nötigste vorenthalten – und das alles vor den Augen der Weltöffentlichkeit», erklärte Uno-Generalsekretär António Guterres.
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Zwar hat Israel nach einer fast dreimonatigen Blockade den Grenzübergang Kerem Schalom für humanitäre Hilfe wieder geöffnet. Doch laut Guterres reichen die aktuellen Lieferungen bei weitem nicht aus. Die 400 zugelassenen Lastwagenladungen in dieser Woche seien «nur ein Teelöffel» der nötigen Hilfe, so der Uno-Chef. Vor der Blockade gelangten täglich rund 600 LKW in das Gebiet – ein Niveau, das laut den Vereinten Nationen weiterhin erforderlich wäre.
Die Uno verfügt nach eigenen Angaben über die logistische Infrastruktur, die Menschen zu versorgen – es mangele jedoch an israelischer Kooperation. «160.000 Paletten stehen bereit, genug, um fast 9000 Lastwagen zu füllen», so Guterres. Auch das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) fordert, deutlich grössere Mengen an Hilfsgütern zügig und sicher einführen zu können.
Die israelische Regierung behauptet, es gebe keinen Mangel an Hilfsgütern – die Hamas würde diese lediglich abzweigen. Beweise für diese Anschuldigungen legte Israel bislang nicht vor. UNRWA-Chef Philippe Lazzarini forderte auf X, Menschenleben zu retten, müsse «Vorrang vor militärischen und politischen Agenden haben». «Die Menschen in Gaza können nicht länger warten.»
Parallel zur schrittweisen Öffnung der Grenzübergänge intensiviert Israel seine militärischen Operationen. Nach Angaben der Uno stehen mittlerweile 81 Prozent des Gazastreifens unter israelischer Kontrolle. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu präsentierte diese Woche einen Dreiphasenplan für das weitere Vorgehen in Gaza, der unter anderem die Errichtung eines sogenannten sterilen Areals im Süden vorsieht.