Die NZZ berichtet über eine seit längerem schwelende Affäre, welche die Schweizer Urologen umtreibt. Einer von drei Leitenden Ärzten der Klinik für Urologie am Universitätsspital Zürich hat sich bei der Fachgesellschaft zur Prüfung «Operative Urologie» angemeldet, wobei ihn sein Chef, Klinikdirektor Daniel Eberli, unterstützt hat.
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Whistleblower aus der übersichtlichen Schweizer Urologie-Szene liefen hierauf gegen den Kandidaten und den verantwortlichen Professor Eberli Sturm. Letzterer zog daraufhin die Konsequenzen und trat – um dem Fach keinen Schaden zuzufügen – als Sekretär der Schweizerischen Gesellschaft für Urologie zurück. Die Leitung des Universitätsspitals Zürich (USZ) hat die Anwaltskanzlei Nater Dallafior mit einer Untersuchung der Vorwürfe beauftragt, Professor Daniel Eberli entschloss sich, dem USZ für diese Zeit seine Beurlaubung anzubieten.
Die Weltwoche hat am 17. Februar 2025 der USZ-Medienstelle folgende Fragen unterbreitet:
«Im Februar 2025 wäre eine Schwerpunktprüfung in operativer Urologie am USZ geplant gewesen, an der neben einem weiteren Kollegen PD Dr. med. XY teilgenommen hätte. PD Dr. XY hat sich mit einem Empfehlungsschreiben sowie der Bestätigung seines Chefs, Prof. Eberli, dass die vorausgesetzte Mindestzahl an Eingriffen durchgeführt worden ist, für diese Prüfung bei der Schweizerischen Gesellschaft für Urologie angemeldet. Voraussetzung für die Prüfung ist eine Mindestzahl an Eingriffen, die nachfolgend genau definiert ist: https://www.siwf.ch/files/pdf20/operative_urologie_version_internet_d.pdf
Es ist jedoch im fachlichen Umfeld von PD Dr. XY bekannt, dass er sich auf Steintherapien spezialisiert hat und nie die vorgeschriebenen Eingriffe wie Prostatektomien, Zystektomien, Nierenteilresektionen oder Nephrektomien selber durchgeführt hat – obwohl dies eine Voraussetzung für die Anmeldung zur Prüfung darstellt. Der Leiter der Fortbildungsstelle, in diesem Fall Prof. Eberli, sowie der Kandidat haben die Prüfung angemeldet und damit vorgegeben, dass diese Operationen durchgeführt worden sind.
In diesem Zusammenhang ersuche ich Sie um Beantwortung folgender Fragen:
1. Ist es richtig, dass PD Dr. XY mit Unterstützung von Prof. Eberli zu dieser Schwerpunktprüfung angemeldet wurde, ohne dass XY über die Voraussetzungen dazu verfügte?
2. Falls dem so ist, wie konnte es dazu kommen?
3. Ist es richtig, dass nach einer externen Beschwerde der Präsident der Prüfungskommission, Dr. Kurt Lehmann ([email protected]), die Prüfung verschieben und die einzelnen Operationsberichte als Nachweis einfordern musste?
4. Ist es richtig, dass Mitglieder der Schweizerischen Gesellschaft für Urologie den Ausschluss von Prof. Eberli und PD Dr. XY aus der Fachgesellschaft fordern?
5. Warum hat sich PD Dr. XY auf internationalen Kongressen sowie auf Twitter/X als Associate Professor der UZH bezeichnet, obwohl er tatsächlich lediglich Privatdozent ist (Screenshots angehängt)?
6. Ist es richtig, dass seit der Übernahme der Klinik für Urologie durch Prof. Eberli bereits drei von vier Leitenden Ärzten und alle Oberärzte bis auf PD Dr. XY die Klinik verlassen haben?»
Die Antwort der Medienstelle des Universitätsspitals Zürich lautete damals wie folgt:
«PD Dr. XY hat sich zur Schwerpunktprüfung operative Urologie angemeldet; Prof. Daniel Eberli war über seine Anmeldung informiert.
PD Dr. XY wurde von der Schweizerischen Gesellschaft für Urologie (SGU) darüber informiert, dass seine Unterlagen einer routinemässigen Stichprobe der SGU unterzogen wurden und aufgefordert, die bereits vorliegenden Unterlagen mit den Operationsberichten als Nachweis zu ergänzen. Die Prüfung wurde bis zum Abschluss der Sichtung der nachgereichten Unterlagen ausgesetzt und auf ein späteres Datum verschoben.
Zu Ihren Fragen 3 und 4 ist uns nichts bekannt. Dazu kann Ihnen die SGU Auskunft erteilen.
Im informellen internationalen Austausch wird zum besseren Verständnis häufig anstelle des «PD» der «Associate Professor» benutzt. Das USZ hat Herrn XY gebeten, auch auf seinen privaten Accounts den Begriff des Privatdozenten zu benutzen.
In der Klinik für Urologie des USZ sind derzeit 18 Kaderärzte und 12 Assistenzärzte tätig. In einem Universitätsspital besteht eine Fluktuation auf allen Stufen der Ärzteschaft. Die Fluktuationsrate bei der Ärzteschaft des USZ ist in den vergangenen Jahren jedoch gesunken.»
Die Schweizerische Gesellschaft für Urologie reagierte am 17. Februar 2025 so:
«Besten Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an den Abläufen der Schweizerischen Gesellschaft für Urologie (SGU). Wir bestätigen den Erhalt Ihrer Nachricht und nehmen gerne wie folgt Stellung:
Es trifft zu, dass die von Ihnen erwähnte Schwerpunktprüfung in operativer Urologie für Februar 2025 geplant war. PD Dr. XY meldete sich dazu über das offizielle Anmeldeformular mit den üblichen, obligatorischen Beilagen an. Die eingereichten Unterlagen umfassten die für die Registrierung der Prüfungsanmeldung erforderlichen Informationen.
Im Rahmen der Prüfungsvorbereitungen und einer routinemässigen Stichprobe wurde PD Dr. XY zudem am 11. Februar 2025 von der Geschäftsstelle der SGU aufgefordert, zusätzlich zu den bereits vorliegenden Informationen Operationsberichte als Nachweis einzureichen. Die Überprüfung dieser Unterlagen ist derzeit noch im Gange. Daher wurde die geplante Prüfung bis zum Abschluss dieser Überprüfung suspendiert und auf ein noch nicht definiertes Datum verschoben.
Der SGU liegt kein Antrag auf Ausschluss von Prof. Eberli oder PD Dr. XY vor.
Mit freundlichen Grüssen
PD Dr. med. Daniel Engeler
Präsident, Schweizerische Gesellschaft für Urologie
Rita Zahnd
Geschäftsführerin, Schweizerische Gesellschaft für Urologie»