Wie hatte die EU-Kommission doch ihr Mercosur-Abkommen mit Lateinamerika hochgejazzt. Es sollte der Welt zeigen, dass Europa nicht sklavisch gekettet ist an Amerikas und Chinas Märkte. Augenhöhe! Selbständigkeit und Selbstbewusstsein.
Welch bessere Gelegenheit, um den Schulterschluss zu feiern – beim EU-Lateinamerika-Gipfel in Kolumbien: 60 Staaten, eine Milliarde Menschen, 21 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.
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Denkste.
EU-Chefin Ursula von der Leyen drückt sich, und Kanzler Friedrich Merz ist ihrem Beispiel gefolgt. Auch anderweitig in der EU hält sich die Begeisterung in Grenzen.
Der Grund wird nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt, liegt aber auf der Hand: Donald Trump. Für ihn ist der Gastgeber, Kolumbiens Präsident Gustavo Petro, ein «Drogenhändler», mit dem sich niemand gemein machen darf.
Und eines wollen die Europäer, die ständig reflexhaft über die Schulter nach Washington blicken, vermeiden: Den Donald zu verärgern. Wer weiss, was er sich einfallen lässt, wenn sich die EU erdreistet, eigene Interessen zu vertreten.
Selbstverzwergung statt Selbstbewusstsein. Dann darf man sich aber nicht wundern, was Europas Bürger von ihren Eliten halten.