Der US-Dollar ist an den Devisenmärkten stark unter Druck geraten. Gegenüber dem Euro fiel er auf 0,84 Euro und damit auf ein Vierjahrestief. Seit Ende 2024 hat der US-Dollar zum Euro rund 13 Prozent verloren, gegenüber dem Franken sogar 15 Prozent (0.77 Franken). Diese Entwicklung belastet europäische und insbesondere Schweizer Unternehmen spürbar. Seit Einführung des Euro am 1. Januar 2002 verlor der US-Dollar gegenüber dem Euro 28 Prozent, gegenüber dem Franken gar 55 Prozent an Wert.
Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.
Die Ursachen der Schwäche des US-Dollars sind grösstenteils bekannt. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass der US-Dollar gegenüber wichtigen Handelspartnerwährungen wie dem mexikanischen Peso, dem kanadischen Dollar und dem Yen in den letzten zehn Jahren deutlich aufgewertet hat. Besonders auffällig ist die Abwertung des Yen: Seit Ende 2020 hat er gegenüber dem US-Dollar rund 33 Prozent eingebüsst. Entsprechend kursieren am Markt Gerüchte über mögliche Interventionen des US-Fed gemeinsam mit der Bank of Japan.
Die strukturellen Probleme der USA haben sich in den letzten Jahren deutlich verschärft. Vor allem die Staatsverschuldung und der stark steigende Zinsaufwand nehmen bedrohliche Ausmasse an. Bereits rund 23 Prozent der US-Staatseinnahmen werden für Zinszahlungen verwendet. In Europa liegt dieser Anteil zwar erst bei etwa 5 Prozent, dürfte jedoch aufgrund steigender Schulden und höherer Refinanzierungskosten deutlich zunehmen. Besonders kritisch ist, dass rund 30 Prozent der US-Staatsschulden von ausländischen Gläubigern gehalten werden.
Neu ist, dass sich im Zuge geopolitischer Spannungen einzelne europäische institutionelle Investoren öffentlich dazu bekennen, ihre Bestände an US-Staatsanleihen schrittweise abzubauen. Das tatsächliche Ausmass dieser Umschichtungen wird sich jedoch erst mit zeitlicher Verzögerung zeigen. China reduziert seine Währungsreserven in Form von US-Treasurys bereits seit 2013. Seit dem Höchststand von 1317 Milliarden US-Dollar ist der Bestand bis Ende 2025 auf 683 Milliarden US-Dollar gesunken, ein Rückgang von fast 50 Prozent.
Klassische währungspolitische Argumente erklären die Schwäche des US-Dollars nur teilweise. Die Renditeaufschläge von zehnjährigen US-Staatsanleihen gegenüber Staatsanleihen aus dem Euro-Raum und der Schweiz sind weiterhin signifikant, könnten bei weiteren Leitzinssenkungen jedoch schrumpfen. Zusätzliche Unsicherheit schafft der bevorstehende Führungswechsel an der Spitze des US-Fed. Viele Anleger befürchten eine stärkere politische Einflussnahme auf die Geldpolitik, was mittelfristig inflationsfördernd wirken könnte.
Zwar dürfte das Wirtschaftswachstum in den USA auch 2026 deutlich höher ausfallen als in Europa und der Schweiz. Dennoch belasten hohe Defizite, geopolitische Risiken und politische Unsicherheiten den US-Dollar. Gegenüber dem Euro dürfte sich eine weitere Abwertung in Grenzen halten, während gegenüber dem Franken ein anhaltender Abwärtstrend wahrscheinlich bleibt.