Vermutlich wollten die Deutschen mit ihren Outfits bei Olympia nur die «bunte Vielfalt» der Bundesrepublik demonstrieren. Das Problem ist nur: Wenn man viele Farben miteinander mischt, ergibt es am Ende Braun. Und genauso trist kamen die fragwürdigen Capes der Deutschen bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Mailand und Cotina auch daher. Nur mit Mühe und Not liess sich ein Bezug zu den deutschen Nationalfarben herstellen. Aber der ist in der bunten Vielfaltsrepublik, in der jeder stolz auf seine Herkunft sein darf ausser die Deutschen selbst, ja ohnehin nicht gewünscht.
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Getoppt wird die triste Farbgebung nur durch die Art der Kleidung. Statt schicken Mänteln, wie bei den USA und Grossbritannien, gibt es die bereits erwähnten Capes oder «Ponchos» (wann waren Ponchos jemals in?), die eher an die letzte regnerische Wattwanderung oder Angeltour im Herbst erinnern, als an die Eröffnungsfeier des grössten Sportevents der Welt. Abgerundet wird die geballte Grässlichkeit passenderweise mit einem Anglerhut statt schöner Strickmütze. Hier sticht also nicht einmal das typisch deutsche Argument, dass etwas vor allem «praktisch» sein und nicht gut aussehen muss. Die Dinger halten nämlich nicht einmal die Ohren warm.
Wie man sich warm hält und auch noch gut dabei aussieht, zeigen mal wieder andere. Allen voran die USA. Ausgestattet von Ralph Lauren, präsentieren sich die Amerikaner in klassischen hellen Outfits im Stille der neunziger Jahre. Die Kollektion war binnen kürzester ausverkauft. Auch sonst geben sich grosse Modemarken die Ehre. Die Italiener erscheinen in Emporio Armani, die Brasilianer, wenn auch gewagt, in Moncler und die Engländer tragen handgestrickte Mützen und Schals von Tom Daley.
Was sich Adidas bei den deutschen Outfits gedacht hat, bleibt indes ein Rätsel. Zumal man mit dem letzten Kit der deutschen Fussballnationalmannschaft bewiesen hat, dass man durchaus in der Lage ist, Stilvolles zu produzieren.
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Wie in allem anderen versagt das Land in der Mitte Europas mal wieder, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Dass das Motto nicht mehr «Vielfalt» und «Inklusion» in möglichst scheusslicher Ausführung lautet, sondern Rückbesinnung auf das Klassische, ist hier leider noch nicht angekommen. Während andere Länder mit ihren Outfits Tradition und Nationalstolz zeigen, ist man in Deutschland damit beschäftigt, Schadenbegrenzung zu betreiben, indem man täglich gegen die «Hater» der Outfits in den sozialen Medien anpostet. Das hätte man sich alles sparen und sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren können, wenn man nicht beschlossen hätte, Athleten in Säcke zu stecken, die an den Horrostreifen «Ich weiss, was du letzten Sommer getan hast» erinnern.
Ich möchte als Deutsche auch mal wieder stolz sein können. Mich nicht immer schämen müssen. Aber irgendwie passt das Outfit auch zum Gesamtzustand der Republik. Vielleicht müssen wir als Gesellschaft erst politisch heilen, bevor wir auch wieder international wieder etwas darstellen können.
Einzig Kanada präsentiert sich bei der Eröffnungsfeier fast genauso wie Deutschland, aber die sind ja genauso vom woken Irrsinn befallen. Trösten kann mich das nicht.