Die Neubesetzung der SRG-Geschäftsleitung durch Generaldirektorin Susanne Wille hat intern Kritik ausgelöst. Wie Mitarbeitende berichten, sorgen insbesondere die drei neuen Direktoren für Unmut – alle Posten wurden mit Männern besetzt, während gleichzeitig die einzige Frau neben Wille, Swissinfo-Chefin Larissa Bieler, das Unternehmen verlässt.
Peter Klaunzer/Keystone
Damit besteht die operative Geschäftsleitung der SRG künftig – abgesehen von Wille – ausschliesslich aus Männern. Laut Teilnehmern an einer internen Präsentation reagierten viele Mitarbeitende «irritiert, erstaunt und empört» auf die Entscheidung. Besonders auf den unteren Führungsebenen habe die Personalpolitik für Unverständnis gesorgt.
Kritik entzündete sich auch an Willes Erklärung zur Frauenförderung. Sie habe betont, man habe «die Besten eingestellt» und müsse künftig stärker Frauen auf tieferen Hierarchiestufen fördern. Für einige Mitarbeitende wirkte dies wie eine Verschiebung der Verantwortung nach unten. Eine Quelle fasste die Stimmung laut dem Bericht so zusammen: «Jetzt haben wir eine Frau an der Spitze – und sie rekrutiert schlimmer als jeder Mann.»
Zusätzliche Diskussionen löste die Angabe eines Frauenanteils von 25 Prozent in der Geschäftsleitung aus. Dieser Wert wird nur erreicht, wenn auch Funktionen aus der erweiterten Leitung – etwa HR oder Kommunikation – mitgerechnet werden. Kritiker sehen darin ein «Rechenspiel» für eine bessere Darstellung der Gleichstellung in der Führungsebene.
Die SRG verweist dagegen darauf, dass weitere Veränderungen in der Führung bevorstehen. Mit der Nachfolge an der Spitze des rätoromanischen Radios und Fernsehens RTR steht bereits die nächste Direktionsbesetzung an.