Die EU-Kommission behandelt Whatsapp fortan wie eine Pornoseite. Grund dafür ist die Einstufung des Nachrichtendienstes als besonders grosse Onlineplattform. Damit unterliegt die App des Meta-Konzerns nun den strengen Auflagen des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act), die bereits für Giganten wie Amazon, Facebook oder verschiedene Erotikportale gelten. Ausgelöst hat diesen Schritt, dass Whatsapp eine entscheidende Nutzerschwelle überschritten hat.
Im Fokus der Brüsseler Kontrolle stehen vor allem die öffentlichen Whatsapp-Kanäle, die von Akteuren wie Influencern, Fussballvereinen oder Verkehrsbetrieben zur Massenkommunikation genutzt werden. Meta ist nun verpflichtet, illegale Inhalte wie Hetze, Morddrohungen oder verbotene politische Symbole konsequent von diesen Kanälen zu entfernen. Auch der Schutz vor Wahlmanipulation rückt stärker in das Visier der Aufseher.
Für die privaten Nutzer gibt es jedoch eine wichtige Entwarnung: Direktnachrichten und private Chats zwischen Einzelpersonen sind von der neuen Regelung nicht betroffen. Der Zugriff der Behörden auf verschlüsselte Chatnachrichten bleibt weiterhin technisch verwehrt.
Bisher lag die primäre Aufsicht über Whatsapp aufgrund des europäischen Firmensitzes in Irland bei den dortigen Behörden. Mit der neuen Einstufung übernimmt die EU-Kommission nun eine direktere Kontrollfunktion. Der US-Konzern hat vier Monate Zeit, die internen Abläufe an die neuen EU-Vorgaben anzupassen; bei Zuwiderhandlung drohen Bussgelder.