Budapest ist in diesen Tagen das Epizentrum eines politischen Bebens, das weit über die Grenzen Mitteleuropas hinausstrahlt. Inmitten der letzten Fieberkurven des ungarischen Wahlkampfs bot die Hauptstadt die Kulisse für eine elektrisierende Begegnung: Der US-Vizepräsident J. D. Vance – der aufstrebende Stern am amerikanischen Polithimmel – erwies Viktor Orbán die Referenz.
Denes Erdos/AP Photo/Keystone
Während die hiesigen Medien und die Brüsseler Eurokraten bei diesem Treffen regelmässig in Schnappatmung verfallen, beweist der Vorgang eines ganz deutlich: Budapest ist längst zu einem intellektuellen Gravitationszentrum für all jene geworden, die den Mut haben, den links-grünen Mainstream zu verlassen. In Vance hat Orbán einen Mitstreiter gefunden, der die Anliegen der nationalen Souveränität mit einer Eloquenz in die westliche Hemisphäre übersetzt, die man bei europäischen Politikern schmerzlich vermisst.
Inhaltlich markierte die Begegnung einen Schulterschluss der Realpolitik. An der Medienkonferenz präsentierte sich Orbán gewohnt furchtlos als Anwalt eines «Friedens der Verständigung» und der Balance gegenüber Russland. Dass er dabei die Einmischungsversuche aus Kiew beim Namen nannte und deutliche Worte in Richtung Brüssel fand, gehört zum Handwerk dieses Staatsmannes. J. D. Vance wiederum nutzte das Podium für eine Abrechnung mit den «Bürokraten in Brüssel», denen er eine «schändliche» Einmischung in die ungarischen Wahlen vorwarf. Es war dabei nicht ohne Ironie, dass der amerikanische Vizepräsident sich wortreich kritisch über diese externe Einflussnahme äusserte, während er sich gleichzeitig selber höchst eloquent in die ungarischen Wahlen einmischte und Orbán eine «moralische Zusammenarbeit» zur Rettung der westlichen Zivilisation attestierte.

Die Kritik an Brüssel bleibt dennoch legitim, zumal durchaus Entwicklungen stattfinden, die beunruhigen – etwa wenn der ukrainische Präsident Selenskyj öffentlich gegen Orbán austeilt und den ungarischen Premier gemeinsam mit Brüssel zunehmend in den Schwitzkasten nimmt. Doch Politik ist ein Ganzkörpersport: Wer den Mainstream so herausfordert wie Orbán, muss im Gegenwind stehen können. Es ist unbestreitbar, dass es Ungarn heute besser geht als vor zwanzig Jahren. Orbán hat den Ausverkauf der Heimat an internationale Konzerne gestoppt, einen Binnensektor aufgebaut und dem Land nach der Ära der Ex-Kommunisten eine neue Verfassung gegeben. Er hat verstanden, dass die Zukunft nicht in der Selbstauflösung liegt, sondern in der Besinnung auf jene Werte, die unsere Zivilisation einst gross gemacht haben.
Wir in der Schweiz sollten genau hinsehen, wenn solche Allianzen wie jene am Dienstag in Budapest geschmiedet werden. Während sich unsere Classe politique in Bern immer tiefer in die Abhängigkeit von Brüsseler Instanzen begibt, zeigt man uns in Budapest, dass man auch als kleinerer Staat Rückgrat beweisen kann. Die Arroganz, mit der man in den Redaktionsstuben von Zürich bis Berlin über dieses Treffen herzieht, ist lediglich Ausdruck einer tiefsitzenden Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit. Man spürt, dass hier eine neue Generation von Realpolitikern heranwächst, die sich nicht mehr mit hohlen Phrasen abspeisen lässt. Viktor Orbán bleibt der Fels in der Brandung des europäischen Konformismus, und mit Verbündeten wie J. D. Vance wird dieser Fels nur noch fester.