Die Chefredaktorin des Tages-Anzeigers hat gegen das klare Votum ihrer Redaktion zur SRG-Halbierungsinitiative einen «Pro & Kontra»-Beitrag durchgesetzt. Wie Persoenlich.com berichtet, griff Raphaela Birrer nach einer internen Abstimmung mit 17 zu 3 Stimmen gegen die Vorlage ein und übersteuerte das übliche Vorgehen.
Gaetan Bally/Keystone; Screenshot Tages-Anzeiger
Birrer begründete ihren Entscheid auf Anfrage so: «Ich habe entschieden, dass wir als grosse private Redaktion ein ‹Pro & Kontra› bringen, um unserer Leserschaft einerseits die Argumente beider Seiten darzulegen und andererseits unserer in diesem Fall speziellen Rolle als Branchenmitbewerberin gerecht zu werden». Das Format wird laut internen Regeln dann angewandt, wenn keine klare Mehrheitsposition zustande kommt. Im vorliegenden Fall lag jedoch ein deutliches Nein der Redaktion vor.
Die Chefredaktorin verfasste selbst den ablehnenden Kommentar, der befürwortende Text stammt von Andreas Kunz. Tamedia-Verleger Pietro Supino hatte sich öffentlich dafür ausgesprochen, dass die SRG ihren «Kernauftrag» auch mit 200 Franken pro Haushalt erfüllen könne. Den Einfluss des Verlegers auf die redaktionelle Entscheidung weist der Konzern zurück. Tamedia-Kommunikationschef Edi Estermann erklärte: «Der Verleger hat sich nicht in diesen Prozess eingebracht.»
Parallel erschienen auch in der Berner Zeitung, im Bund und in der Basler Zeitung entsprechende «Pro & Kontra»-Formate. Offiziell heisst es, man tausche sich im Vorfeld «solch relevanter Abstimmungen» regelmässig aus. Aus den Redaktionen ist hingegen von Druck durch den publizistischen Leiter die Rede. Die Abstimmung findet am 8. März statt.