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Die Weltwoche

Musik Grüezi miteinander, ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily Spezial Meilenscheine der Schweizer Geschichte bei strömenden Regen live aus Zürich. Wir sind uns nicht zu schade auch bei Hudlwetter rauszugehen und die Schatzkammern der Schweizer Geschichte aufzuspüren. lieber Christoph Wo sind wir heute? Was ist der Meilenschein der Schweizer Geschichte am heutigen Tag? Grüezi miteinander. Wir befinden uns auf dem Friedhof Silfeld. Das ist der grösste Friedhof der Stadt Zürich. Hat hier auch berühmte Gräber. Wir kommen in den Sinn. Johanna Spiri ist hier beerdigt. Oder auch Gottfried Keller und Henri Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes und viele andere mehr. Aber wir sind wegen einem anderen Thema und wegen einem anderen Grab mal... hierher gekommen. Das ist? Es geht um dieses recht wuchtige Denkmal hinter uns, ein Marmorklotz, könnte man etwas vereinfacht sagen. Aber es handelt sich um das Grabmal der im Ersten Weltkrieg Gefallenen. Für die wurde es auch gestiftet, und zwar von deutschen Kreisen, von der deutschen Kolonie hier in Zürich, vom deutschen Konsulat und auch vom Volksbund für Kriegsgräberfürsorge in Deutschland. Aber das Thema, das uns hier bewegt, sind natürlich die schrecklichen Vorgänge des Ersten Weltkriegs, des Großen Kriegs, wie man sagte, und damit verbunden auch die vielen Opfer, die aus der Schweiz an die Front gegangen sind. Vielleicht noch kurz zu diesem Denkmal. Seit wann gibt es dieses Denkmal? Wann wurde es? gestiftet. Was weisst du darüber? Dieses Denkmal wurde, und hier sind sich die Quellen etwas uneinig, und ich kann es nicht mit letzter Sicherheit bestimmen, entweder 1927 oder 1929 errichtet. Es gibt Quellen für beides und ich weiss wirklich nicht, was genau jetzt stimmt. In der Neuen Zürcher Zeitung zum Beispiel habe ich keinen Kommentar zur Errichtung dieses Denkmals gefunden. und Aber das Denkmal umfasst über 640 Namen, die gefallen sind. Und später wurde dann auch noch angefügt an die Opfer des Zweiten Weltkriegs, auch an die Opfer der Gewaltherrschaft dieser Zeit 1933 bis 1945. Es wird ausdrücklich das Jahr 1933 genannt, also der Machtergreifung von Hitler. und... Dieser Ort ist auch ein Ort des Gedenkens beispielsweise der deutschen Kolonie hier oder eben vor allem auch des deutschen Botschafters, der jeweils am Volkstrauertag in Deutschland, das ist im November, in der Regel einen Kranz hier niederlegt. Ich glaube, wir rollen nicht die ganze Geschichte des Ersten Weltkrieges auf. Was gibt es trotzdem auch im Hintergrund oder für den Hintergrund dieses Gedenk? malst zu sagen über den Ersten Weltkrieg, über die gefallenen Sondaten. Was möchtest du dazu erzählen? Man sollte feststellen, dass es allein in der Stadt Zürich 1914 über 41'000 Deutsche gab. Die waren vielfach in handwerklichen Berufen, die waren in der Wirtschaft hier beschäftigt. Sie waren aber auch oftmals als Lehrer tätig beispielsweise und in akademischen Berufen. Also die Kolonie war sehr gross, es handelt sich um 21 Prozent der damaligen Bevölkerung. Und mit dem Kriegsausbruch, die Schweiz mobilisierte ja am 1. August 1914 und in Deutschland ging es etwas früher los, mit dem Kriegsausbruch des Ersten Weltkriegs sind sehr, sehr viele junge Männer hier aus Zürich und natürlich aus anderen Gebieten der Schweiz nach Deutschland zurückgegangen. um ihren Militärdienst an der Front zu leisten. Könntest du vielleicht noch ein bisschen einen Kontext geben? Diese Deutsche in der Schweiz, war das damals, es ist ja auch Auswandererland Schweiz für Deutsche, gerade für Deutsche, es ist ja ein beliebtes Land. Was haben diese Deutschen hier gemacht? War das damals schon ein Riesenthema für Deutsche, in die Schweiz zu kommen? Damals waren eigentlich die Bestimmungen recht locker. Man brauchte kaum irgendetwas. Die Grenzen waren verhältnismässig offen. Das wurde dann erst restriktiver nach dem Ersten Weltkrieg und so gesehen konnten eigentlich die Deutschen... aber auch Italiener und andere Zuwanderer relativ problemlos hierher kommen und hier auch arbeiten. Sie waren auch durchaus willkommen. Die Zürcher Bevölkerung war damals insgesamt, das darf man glaube ich sagen, deutschfreundlich. Man hat ja auch sehr stark dem deutschen Kaiser Wilhelm II. zugejubelt, als er im Jahr 1912 die Schweiz besuchte und hier Manöver verfolgt hat. Natürlich um zu testen, ob die Schweizer Armee auch wirklich die Grenzen besetzen würde, damit er eben seinen Stoss, den er schon damals plante, Richtung Frankreich, dann eben im Norden ausführen konnte. Aber insgesamt also waren die Deutschen durchaus willkommen in Zürich und es gab kaum Probleme. Wie lief diese Mobilisierung der Deutschen ab? Das war ja die Zeit vor Handys, vor Social Media, vielleicht sogar auch vor dem Internet. Wie ging das damals? Wie schnell konnten auch die Deutschen einbezogen werden? Was weisst du darüber? Das ging dann doch relativ schnell, denn es wurde bekannt gegeben, auch in den Medien, auch in den schweizerischen Medien, wie genau das ablaufen soll. Und die Männer verliessen dann wirklich die Heimat und haben sich ausgerüstet und sind an ihre vorbereiteten Stellungsplätze dann gegangen. Man rechnete ja mit einem kurzen. relativ erfolgreichen Krieg auf deutscher Seite, ungefähr so wie der letzte. Das ist ohnehin ein grosser Fehler der Menschheit, dass man immer wieder glaubt, der nächste Krieg ist ungefähr so wie der letzte. Und es wurde immer noch schrecklicher, wie die Geschichte gezeigt hat. Jedenfalls war da nichts zu Weihnachten in Paris, wie man auf die Eisenbahnwagons geschrieben hat. Es kam zu einem über vierjährigen erbitterten Stellungskrieg. Warum? Weil einfach die... die Defensivwaffen stärker waren als die Offensivwaffen. Sprich, man hatte Maschinengewehre, man hatte Artillerie, aber eben noch nicht Panzer beispielsweise, die Mobilität. Zu Flugzeugen muss man da schweigen, das ist ja fast nichts, was da war damals. Das kam erst auf, dass dann wirklich eine funktionsfähige Luftwaffe auch vorhanden war. Wie viele Deutsche aus der Schweiz wurden... Im Ersten Weltkrieg einbezogen, weiss man das? Gibt es da Zahlen, die gefallen, die hast du genannt? Das sind 446, wenn ich es richtig im Kopf habe. Es sind über 640 aus Zürich allein, es war natürlich insgesamt sehr viel mehr. Ich meine, dass wahrscheinlich aus der ganzen Schweiz doch über 100'000 dann hier lebten und ein Teil davon dann mobilisiert wurde. Militärdienst wusste. Die Rolle der Schweiz in diesem Ersten Weltkrieg, wie würdest du das beschreiben? Was hat man da gut, was hat man weniger gut gemacht von schweizerischer Seite? Die Schweiz hat mobilisiert, selbstverständlich, die ganze Armee und man wusste ja nicht, wie dieser Krieg verläuft. Auch unsere Armeeführung rechnete mit einem relativ kurzen Krieg. Man hat die absolute der Neutralität erklärt und die wurde dann zum Glück auch beachtet, die ganzen vier Jahre. Und man muss oder darf sagen, dass die Bevölkerung in der deutschen Schweiz sehr deutschfreundlich war und in der Romandie, in der Westschweiz umgekehrt, da war man auf der Seite der Entente, auf der Seite von Frankreich und das gab dann einen erheblichen Graben, den ja Karl Spittler mit seiner berühmten Neutralitätsrede dann. Ende 1914 versuchte zuzuschütten und tatsächlich im Lauf des Krieges wurde dann auch in der Deutschschweiz, in Zürich, die Stimmung gegenüber Deutschland, gegenüber dem Deutschen Reich, das ja den Krieg dann schlussendlich verloren hat, immer kritischer. Waren das inländische Stimmen, Karl Spittler, wie du gesagt hast, oder war das auch der Krieg an und für sich, die Aggression, die Brutalität? Der Kriegsverlauf, der diese Stimmung zum Kippen brachte? Man kann schon sagen, dass aus dem Burgfrieden, den man in der Schweiz geschlossen hat, zwischen den politischen Parteien, zwischen bürgerlich und den doch immer stärker werdenden Sozialdemokraten, nicht wahnsinnig lange gehalten hat. Es kam dann zu Krisen, es kam zur berühmten Oberstenaffäre, in der hohe Offiziere mit dem deutschen Geheimdienst viel zu... eng kooperierten, was neutralitätswidrig war. Es gab einen Überdruss, was die militärische Ausbildung, den Alltag, den Drill... der gewissermassen die Fantasie abgetötet hat. Also das war nicht sehr beliebt. Dazu kam dann 1918 die entsetzliche spanische Grippe mit sehr, sehr vielen Todesopfern. Also die Stimmung hat sich immer mehr verschlechtert, weil eben auch die Versorgungslage der Schweiz immer kritischer wurde. Das klappte nicht mehr richtig. Und man hat dann versucht, Getreidelieferungen beispielsweise aus den Vereinigten Staaten wieder... in die Schweiz zu lenken. Was ist aus deiner Sicht die grosse Lehre aus dem Ersten Weltkrieg für die Menschheit, für die Welt? Die grosse Lehre ist natürlich, dass es ein unglaublicher Blutverlust war, für eigentlich sehr, sehr wenig. Also man ist da fast nur meterweise vorwärts gekommen. Diese Grabenkämpfe jahrelang waren ausserordentlich zermürbend. auch dann die Die Waffenauswirkungen, die Soldaten haben dann auch psychische Folgen davon getragen. Sie haben gezittert, sie hatten wirklich dann Schäden fürs Leben, ganz abgesehen von den sehr vielen, die versehrt waren fürs Leben. Arm weg, Bein weg, verstümmelt im Gesicht und so weiter, ganz schreckliche Bilder. Wir reden von ungefähr zwei Millionen toten Deutschen insgesamt und etwa 1,3 bis 1,4 Millionen. toten Franzosen. Es gab da natürlich auch Opfer auf englischer Seite, auf amerikanischer Seite und auch andere, die in diesem Krieg dabei waren, beispielsweise natürlich Österreich, Ungarn, verbunden mit dem Deutschen Reich als Achsenmächte. Italien hat sich dann der Entente, dem westlichen Bündnis, angeschlossen. Und was ist für dich der Meilenstein der Schweizer Geschichte jetzt auch in Bezug auf dieses Denkmal? Wie hat dieser Weltkrieg, wie haben diese Deutschen, die da gefallen sind im Ersten Weltkrieg, die Geschichtsschreibung der Schweiz entscheidend, maßgebend beeinflusst? Es war natürlich wichtig für die Deutschen hier in Zürich beispielsweise, aber auch andernorts, einen Ort der Erinnerung zu schaffen, dass diese Menschen nicht einfach vergessen gehen. Darum hat man sie auch verewigt auf diesem Marmorblock. Und es ist eindrücklich, dass Deutschland noch immer hier jeweils einen Ort der Besinnung sieht und erkennt, indem eben die offiziellen Delegationen, die hier diplomatisch in der Schweiz sind, hier regelmässig auch den Toten gedenken. Selbstverständlich nicht nur den eigenen, sondern es ist ein allgemeiner Trauertag. Es waren ja bei weitem nicht nur deutsche Opfer und dessen ist man sich sehr bewusst. Aber wir sehen hinter uns doch ein selbstbewusstes Denkmal nach diesem Ersten Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dann kaum mehr in der Schweiz solche Denkmäler errichtet. Da war die Stimmung nicht mehr da, weil eben dann doch eine recht grosse deutsche Feindlichkeit, deutsche Skepsis herrschte nach 1945. Was haben wir vergessen? Was gibt es über diesen Meilenstein der Schweizer Geschichte sonst noch zu berichten, lieber Christoph? Ich glaube, es ist wichtig, dass man hier an die deutschen Toten, auch an die grosse deutsche Kolonie erinnert, die es gab vor dem Ersten Weltkrieg und dann auch nachher wieder, aber nie mehr so viele wie vorher, weil eben auch doch tatsächlich etliche gefallen sind. Und es ist natürlich aber auch wichtig, dass wir dasselbe dann für die französische Seite Es gab auch französische Opfer. Da möchte ich dann aber an einen anderen Krieg erinnern. Aber man muss sich bewusst sein, dass da alle Nationen in diesem sogenannten Großen Krieg unglaubliche Blutopfer geleistet haben. Und der Sinn war wahrscheinlich an einem etwas kleinen Ort. Auch wie dieser Krieg ausgebrochen ist, ist ja heute sehr umstritten. Man spricht von Schlafwandlern. hineinbewegt, hinein halluziniert in diesen Krieg und so etwas sollte unter keinen Umständen mehr geschehen. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für deine Ausführungen bei strömendem Regen. Wir hoffen, dass die Aufnahme trotzdem gefallen hat und wünschen Ihnen ein wunderschönes Wochenende. Bis zum nächsten Mal bei Mein Schein der Schweizer Geschichte. Vielen herzlichen Dank.

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über den Ersten Weltkrieg und dessen deutsches Mahnmal in Zürich

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über den Ersten Weltkrieg und dessen deutsches Mahnmal in Zürich
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