Vier Jahre Krieg in der Ukraine. Wo stehen wir an diesem traurigen Tag?
In etwa dort, wo wir am dritten Jahrestag standen.
Es wird ein Stellungskrieg geführt. Russland erzielt minimale Fortschritte, aber keinen Durchbruch. Die Ukraine hält wundersamerweise stand, wobei das grösste Wunder ist, dass ihr noch immer nicht die Soldaten ausgegangen sind.
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Einen Stellungskrieg gibt es auch an der Verhandlungsfront. Von Donald Trumps Blitzfrieden-Versprechen ist nichts mehr übrig. Die Gespräche schleppen sich zäh dahin, ohne Durchbruch.
Dabei ist es höchste Zeit für ein Ende – für beide Seiten. Dass die Ukraine militärisch längst besiegt ist, sagen alle Militärexperten, die nicht vorsätzlich den Kopf in den Sand stecken. Dass Kriegswirtschaft und Sanktionen in Russland zu wirken beginnen, wo die Kriegsmüdigkeit wächst, pfeifen die Spatzen nur deshalb nicht von den Kreml-Dächern, weil man sie abschiessen würde.
Dass der Krieg unnötig verlängert wird, liegt in erster Linie an Europa, in zweiter indirekt an China. Die Europäer wollen nicht wahrhaben, dass sie verloren haben und mit den russischen «Barbaren» (Friedrich Merz) auf demselben Kontinent leben.
Die Chinesen halten es mit dem Sprichwort vom Affen, der in der Baumkrone zusieht, wie sich zwei Tiger bekämpfen. Ein wirtschaftlich ausgepowertes Europa passt ebenso ins Kalkül Pekings wie ein militärisch ausgemergelter russischer Nachbar.
Wie wird dann der fünfte Jahrestag des Krieges aussehen? Vermutlich nicht viel anders als der vierte. Nur mit dem Unterschied, dass Amerika neben dem chinesischen Affen Platz genommen haben wird.