Ursula von der Leyen wohnt im Büro. Neben ihrer Amtsstube liess sie sich eine pied-à-terre einrichten. Wenn sie nicht will, muss sie ihre Blase im Berlaymont-Gebäude nie verlassen.
Das merkt man.
Wie wenig die EU-Chefin die Realität in der EU kennt, hat sie soeben in einem Interview mit der Zeit bestätigt.
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Schnöden Mammon finde man überall auf der Welt, höhnte die Frau, die seit ihrer Kindheit in einen wohligen Politiker-Kokon eingesponnen ist. «Aber wo wollen Sie Ihre Kinder grossziehen?», fragte sie. «Wo wollen Sie sein, wenn Sie nicht kerngesund sind? Wenn Sie älter werden?»
Ja, wo schon? In Europa natürlich, denn da gebe es «viele sehr gute Antworten».
Ach, wirklich? Wenn sie schon nicht herumkommt, könnte von der Leyen Medien etwa aus ihrer deutschen Heimat konsultieren.
Dann wüsste sie, dass der Bildungsstandard im freien Fall ist, Lehrer fehlen, auf Schulhöfen Arabisch gesprochen wird und sogar männliche Teenager die Toiletten meiden.
Dann wüsste sie, dass das Gesundheitssystem krankt, Ärzte fehlen, auf Operationen gewartet werden muss und die Krankenkassenbeiträge explodieren.
Dann wüsste sie, dass Plätze in Alters- und Pflegeheimen nicht vorhanden oder unerschwinglich sind, Pfleger fehlen, und Rentner oft nur mit dem Sammeln von Pfandflaschen über die Runden kommen.
Brüssel wird oft mit einem Raumschiff verglichen, dessen Besatzung den Kontakt zur Erde verloren hat. Auf der Brücke sitzt Ursula von der Leyen.
Wie sang David Bowie: «Can you hear me, Major Tom, can you hear me?»
Major Ursula, so viel ist sicher, hört nicht.