In nur drei Jahren hat sich das ukrainische Unternehmen «Fire Point» von einer Film-Casting-Agentur zu einem der wichtigsten Drohnenproduzenten des Landes entwickelt – mit Rüstungsaufträgen im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar allein 2025. Doch der kometenhafte Aufstieg bleibt nicht ohne Kritik: Korruptionsvorwürfe und Qualitätsmängel überschatten den Erfolg.
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Wie die New York Times berichtet, fertigt «Fire Point» an rund 30 geheimen Standorten in der Ukraine Langstreckendrohnen aus einfachen Materialien wie Styropor, Sperrholz und Fahrrad-Carbon. Die Modelle vom Typ FP-1 sollen inzwischen 60 Prozent der ukrainischen Angriffe auf russisches Territorium ausführen und insbesondere Ölraffinerien ins Visier nehmen. Eine neue, noch grössere Drohne namens «Flamingo» mit einem Jettriebwerk und einer Reichweite von über 2800 Kilometern befindet sich laut Unternehmensangaben in der Produktion.
Dabei ist der Ursprung der Firma alles andere als militärisch: Bis zum russischen Angriff im Februar 2022 war «Fire Point» offiziell eine Casting-Agentur für Film- und Fernsehproduktionen. Der Eigentümer Yehor Skalyha leitete ein Unternehmen zur Locationsuche – das auch an einem Film mit Präsident Wolodymyr Selenskyj beteiligt war. Die Technikchefin Iryna Terekh produzierte zuvor Betonmöbel für den Aussenbereich.
Kritik gibt es vor allem an der Vergabepraxis: Eine Prüfung der staatlichen Beschaffungsbehörde ergab, dass «Fire Point» Aufträge ohne vorgeschriebene Preisverhandlungen erhalten habe – und so etwa 16,7 Millionen Dollar mehr kassierte, als vergleichbare Angebote erforderten. Die FP-1-Drohne koste rund 58.000 Dollar pro Stück, sei aber laut Berechnungen deutlich günstiger herstellbar.
Zudem ermittelt die ukrainische Antikorruptionsbehörde wegen möglicher Verbindungen zu Timur Mindich, einem Geschäftsmann mit engen Verbindungen zur Filmindustrie und Mitgründer eines Studios, das Selenskyj einst mitbegründete. Die Firma bestreitet, dass Mindich Anteile halte.