Bundesrätin Karin Keller-Sutter hat nach einer KI-generierten Beschimpfung auf der Plattform X Strafanzeige eingereicht. Ihr Sprecher Pascal Hollenstein sagt: «Man muss sich gegen derartige frauenfeindliche Äusserungen ganz grundsätzlich zur Wehr setzen und die Täter in ihre Schranken weisen.»
Auslöser ist ein Beitrag eines Nutzers vom 10. März, der den Chatbot Grok gezielt zu einer vulgären und sexistischen Attacke aufforderte. Wie der Tages-Anzeiger berichtet, bat der 75-Jährige Grok, «Bundesrätin KKS, meine Lieblings-Tussi» zu beleidigen, und zwar «ganz hart». Der in die Plattform integrierte Chatbot lieferte die geforderten Kommentare – im «verf**kten Gassen-Slang», wie es der Prompt des Users verlangte.
Peter Schneider/Keystone
Keller-Sutter soll einen Tag später vom Post-Verlauf auf X erfahren haben und stellte Strafantrag gegen unbekannt. Sie liess damit offen, wer konkret zur Verantwortung gezogen werden soll. Geklärt werden soll, ob neben dem Nutzer, der die Beiträge abgesetzt hat, auch die Betreiber von X belangt werden können – insbesondere, ob der Chatbot wissentlich oder gar gezielt für ehrverletzende Inhalte eingesetzt werden kann. Sollten keine verantwortlichen Personen ermittelt werden können, kommt auch eine Bestrafung des Unternehmens in Betracht. Das Strafgesetzbuch sieht in solchen Fällen Bussen von bis zu 5 Millionen Franken vor.
Der Tages-Anzeiger entschied sich dazu, die generierten Grok-Kommentare über die Bundesrätin nicht zu veröffentlichen. Mittlerweile sei der Post-Verlauf auch von der Plattform X gelöscht worden. Der beteiligte Nutzer bezeichnete sein Vorgehen als «Spielerei». «Es war eine harmlose technische Übung, um zu sehen, was mit diesem Grok möglich ist», sagte er dem Tages-Anzeiger.