Nicht Extremisten sind die grösste Bedrohung an Weihnachtsmärkten, sondern «grauhaarige ältere deutsche Herren». Dieser Ansicht ist Veranstaltungssicherheits-Experte Staphan Trogus, wie er im Gespräch mit dem Tagesspiegel sagt. Die grössere Gefahr im Alltag gehe nicht von terroristischen Anschlägen aus, sondern von Autofahrern, die Absperrungen ignorieren. «Meistens handelt es sich dabei um grauhaarige ältere deutsche Herren, die zeitweilige Sperrungen einfach missachten.» Von ihnen gingen «die weitaus grösseren Risiken» aus. Der Begriff «Islamismus» wird in dem Interview kein einziges Mal erwähnt, berichtet das Portal Apollo News.
SINA SCHULDT / KEYSTONE
Angesichts der wachsenden Besorgnis – laut YouGov-Umfrage machen sich 62 Prozent der Deutschen Sorgen um die Sicherheit von Weihnachtsmärkten – erhöhen viele Städte ihre Budgets erheblich. In Köln belaufen sich die Massnahmen auf über eine Million Euro. In Halle werden Zugangsschleusen eingerichtet, Berlin schliesst kleinste Lücken am Breitscheidplatz, Quedlinburg verstärkt die Zufahrtskontrollen. Overath sagte den Weihnachtsmarkt komplett ab – die Auflagen seien finanziell nicht mehr tragbar.
Trogus relativiert: Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Angriffs auf einem Weihnachtsmarkt zu werden, sei «unglaublich gering». Zwar könnten technische Schutzsysteme wie Poller Fahrzeuge bis zu 7,5 Tonnen aufhalten, bei schwereren Lastwagen müssten jedoch Innenstädte massiv umgebaut werden. Auch private Sicherheitsdienste könnten einen bewaffneten Täter kaum stoppen. Hoffnung setzt Trogus auf KI-gestützte Videoüberwachung nach europäischem Datenschutzstandard. In Mannheim habe ein Pilotprojekt geholfen, auffälliges Verhalten frühzeitig zu erkennen.