«Was nützt die schönste Schuldenbremse, wenn der Russe vor der Tür steht»: über die Propaganda, mit der CDU-Politiker Jens Spahn und die FAZ die Deutschen erpressen wollen
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«Was nützt die schönste Schuldenbremse, wenn der Russe vor der Tür steht»: über die Propaganda, mit der CDU-Politiker Jens Spahn und die FAZ die Deutschen erpressen wollen

«Was nützt die schönste Schuldenbremse, wenn der Russe vor der Tür steht?» Wir Europäer haben doch zugespitzt gesagt nur zwei Möglichkeiten: «Wir können uns verteidigen lernen oder alle Russisch lernen.» Diese Worte stammen von Jens Spahn (CDU). Entnommen sind sie einem aktuellen Interview, das die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit dem ehemaligen Gesundheitsminister geführt hat, der sogar schon als kommender Aussenminister ins Gespräch gebracht wird.

HANNIBAL HANSCHKE / KEYSTONE
epa11920663 Former German Health Minister and member of Germany's Christian Democratic Union (CDU) Jens Spahn arrives prior to the CDU leadership meeting at the party's headquarters at the Konrad-Adenauer-Haus in Berlin, Germany, 24 February 2025
HANNIBAL HANSCHKE / KEYSTONE

Die FAZ zeigt mit dem Beitrag, wie es aussieht, wenn sich politische und publizistische Verantwortungslosigkeit propagandistisch gegenseitig befruchten. Ein Kommentar von Marcus Klöckner, der zuerst auf den Nachdenkseiten erschien.

Irgendwann wird es – nein: muss es – soweit sein! Der Russe wird vor der Tür stehen!

Und was dann passieren wird, das kann – nein: das muss! – sich jeder selbst ausmalen.

Werte Leserinnen und Leser, Sie bemerken es bestimmt: So funktioniert Propaganda. Hier wird ein diffuses, der Realität nicht im Ansatz standhaltendes Bild in die Köpfe der Bürger projiziert – und dann darauf gesetzt, dass der Empfänger der Propaganda das Bild in seinem Kopf weiter ausmalt.

Die Aussage, «Wenn der Russe vor der Tür steht», gleicht einem jener Bilder, die man nach Zahlen malt. Auf die Zahl eins folgt logischerweise auch eine Zahl zwei.

«Wenn der Russe vor der Tür steht» (die Aussage signalisiert: Gefahr!), dann … Und jetzt liegt es am Opfer der Propaganda, in seiner Vorstellung den Gedanken weiterzuspinnen. Kontext und Duktus betrachtend, das heisst: den Gesamtzusammenhang berücksichtigend, unter dem die Aussage vom «Russen vor der Tür» getätigt wird, kann sich an die Gefahr nur etwas «Negatives» anschliessen. Der Russe, der vor Tür steht, der kommt eben nicht mit Kaffee und Keksen. Er kann nur – nein: er muss! – mit der Axt kommen.

Und so zeichnen die Gedanken das Bild immer weiter. Was wird «der Russe», der mit der Axt kommt, wohl in der Wohnung tun?

Wer die anti-russische Propaganda geschluckt hat, sieht wahrscheinlich das verlogene Bild vom «russischen Barbaren» vor seinem inneren Auge, der mit der Axt der Barbarei freien Lauf lässt. Am Ende ist es passiert – das Massaker. Alle tot. Die ganze Familie.

Und deshalb müssen wir alle eben «unsere» Politiker unterstützen, die gerade rund eine Billion für «unsere» Verteidigung, also für «unseren» Schutz ausgeben wollen. Willkommen im Universum der Propaganda. Ich weiss es nicht, wie viele Leute auf einen derartigen Schwachsinn reinfallen – aber von der Propaganda ist bekannt, dass sie, selbst wenn sie ausgesprochen dumm ist, ihre Opfer findet.

Die FAZ hat die Aussage «Wenn der Russe vor der Tür steht» sogar als Überschrift für ihr Interview mit Jens Spahn gewählt; interessanterweise erschien das Interview zunächst unter der harmloseren Überschrift «Die Grünen machen kluge Vorschläge».

Sowohl Spahn als auch der FAZ darf man unterstellen, dass sie um die Bedeutung der Sprache wissen. Dieses ausgewählte Sprachbild hat weder Spahn aus Flapsigkeit in das Interview einfliessen lassen noch hat die Redaktion es unbedacht in die Überschrift gehoben.

Hier gilt die Annahme: Denn sie wissen, was sie tun!

Wir leben in einer Zeit, in der längst offen von einem Krieg zwischen Nato und Russland die Rede ist. Was das bedeutet, kann sich jeder selbst vorstellen – auch ganz ohne Propaganda. Nachdem der Kontinent zwei Mal in Schutt und Asche lag und allein Russland, je nach Quelle, 27 Millionen Tote zu beklagen hatte, betrachten Politiker einen dritten Krieg als mögliche Realität – dieses Mal allerdings, das sollte nicht vergessen werden, halten Staaten Atombomben in ihren Händen.

In Anbetracht von Geschichte und Gegenwart ist dieses FAZ-Interview mit Spahn unverdaulich. Politische und publizistische Verantwortungslosigkeit befruchten sich gegenseitig. Wer Spahns Aussage liest, könnte meinen, wir wären im vergangenen Jahrhundert, wo immer wieder die Gefahr durch «den Russen» beschworen wurde. Fast drängt sich der Verdacht auf, nicht Russland sei zwei Mal überfallen worden, sondern Russland habe Europa zwei Mal überfallen.

Was die FAZ hier anbietet, das ist Propaganda in Reinform. Unverantwortlich, unerträglich und eine publizistische Schande. Die Aussage vom «Russen vor der Tür» dürfte als der bisherige Höhepunkt einer perfiden anti-russischen Propaganda zu betrachten sein.

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