Der von US-Präsident Donald Trump angekündigte Zollsatz von 39 Prozent auf Lieferungen aus der Schweiz in die USA schreckt das Land auf. Lösungen zum Parieren dieses Schlags gegen den Produktionsstandort Schweiz sind dringend gesucht. Was läuft am Markt der Ideen? Hier als Beispiel ein Beitrag von Rolf Weder, Ökonomieprofessor mit den Schwerpunkten Internationaler Handel, Aussenwirtschaft, Europäische Integration an der Universität Basel. Er hat auf der Plattform Linkedin seine Einschätzungen publiziert, aus denen wir hier die folgende Passage im Wortlaut veröffentlichen:
URS FLUEELER / KEYSTONE
«Was tun als Schweizer Firma? Ich rate allen Schweizer Firmen, die Preise in Schweizer Franken für Exporte in die USA vorerst nicht zu senken. Ein Importzoll ist eine Massnahme der ausländischen Regierung, den dortigen Konsum zu besteuern und so Staatseinnahmen zu generieren. Ich sehe nicht, warum Schweizer Firmen einen Teil der Finanzierung des amerikanischen Staatsdefizites übernehmen sollen.
Tun sie dies, kommen sie auch gegenüber allen anderen Abnehmern auf der Welt in Teufels Küche: Wie erklärt man, dass der Produzentenpreis gegenüber den USA tiefer gesetzt wird als beispielsweise gegenüber der EU oder China?
Zentral ist aber, wie man die Preiserhöhung für die amerikanischen Abnehmerinnen kommuniziert. Transparenz ist wichtig: Preis in Schweizer Franken inklusive Transport in die USA. Umgerechnet nach dem aktuellen Wechselkurs, ergibt dies einen entsprechenden Preis in US-Dollar.
Dazu kommt nun der Importzoll der amerikanischen Regierung auf die Nachfrager des Schweizer Produktes in den USA («Import Tariff of the U.S. Government of 39 percent»). Ergibt den US-Verkaufspreis. Zentral ist, dass die Zeile von 39 Prozent in der Rechnung beziehungsweise Preisinformation explizit erwähnt wird.
Wenn sich US-Nachfrager entscheiden sollten, das Schweizer Produkt später aus der EU zu beziehen, dann steht auf dieser Zeile eben der Satz von 15 Prozent. Der amerikanische Staat erhält dann weniger. Es ist aber nicht die Aufgabe von Schweizer Firmen oder der Schweizer Regierung, dies zu verhindern, um dem amerikanischen Staat zu helfen, seine Staatausgaben zu finanzieren. Im Gegenteil: Wenn der amerikanische Konsument diese Arbitrage-Möglichkeiten entdeckt, dann ist das halt so. Dealmaking.
Natürlich ist dies noch nicht das Ende der Geschichte.
Produkte aus der Schweiz, bei denen es gute Substitute made in USA gibt, werden einen schweren Stand haben. Ob dies so ist, sollte zuerst einmal abgewartet werden. Zentral ist meines Erachtens, dass die Konsumenten und auch Firmen als Nachfrager von Zwischenprodukten in den USA Transparenz über die höheren Preise aus der Schweiz erhalten und so sehen, wer hier abkassiert.
Exporte mit Zwischenhalt in die EU werden zunehmen. Das ist eine direkte Folge der länderorientierten diskriminierenden Zollpolitik der USA, welche das Meistbegünstigungsprinzip der WTO verletzt.
Vorschläge, die Kosten und Belastungen in der Schweiz zu reduzieren («Kompensationspaket»), und Hiobsbotschaften sind meines Erachtens verfrüht. Wie die Geschichte weitergehen könnte, überlegen wir uns dann wohl in einer Woche. Lassen wir uns den Nationalfeiertag im Nachhinein nicht verderben. Wir haben in der Schweiz in naher Zukunft auch noch ein paar weitere (wohl noch wichtigere) Baustellen zu bewältigen.»