Wegen Putin-Nähe: Ukrainische Botschafterin intervenierte bei Zürcher-Opernhaus-Chef und Ex-Regierungsrat Markus Notter, um Auftritt von russischer Starsopranistin Anna Netrebko zu verhindern. Die Kultur-Institution lässt sich davon nicht einschüchtern
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Wegen Putin-Nähe: Ukrainische Botschafterin intervenierte bei Zürcher-Opernhaus-Chef und Ex-Regierungsrat Markus Notter, um Auftritt von russischer Starsopranistin Anna Netrebko zu verhindern. Die Kultur-Institution lässt sich davon nicht einschüchtern

Matthias Schulz, neuer Intendant des Opernhauses Zürich, ist ein Coup gelungen. Der deutsche Pianist und frühere Konzertchef der Salzburger Festspiele hat Anna Netrebko in die Schweiz geholt.

In der Limmatstadt, wo Netrebko im November auftreten wird, spielt die russische Starsopranistin die Leonora in Verdis Oper «La forza del destino». In dieser Rolle sei sie schlicht «eine der Besten der Welt», sagt Schulz.

Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.
FILE - Ukrainian Prosecutor General of Ukraine Iryna Venediktova meets US Attorney General Merrick Garland in Krakovets, at the Ukraine border with Poland, Tuesday, June 21, 2022. Ukrainian leaders are looking to strengthen their own ranks Monday, July 18, 2022 after President Volodymyr Zelenskyy removed from office some of his most prominent officials because of alleged âÄ&#x153
Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Kein Musikgehör dafür hat Iryna Wenediktowa, ukrainische Botschafterin in Bern. Sie will den Auftritt Netrebkos verhindern und hat dazu gleich direkt beim Opernhaus interveniert. «Die ukrainische Botschafterin hat sich in einem Schreiben an das Opernhaus Zürich gewandt», erklärt die Kulturinstitution gegenüber der Weltwoche.

Zwischen der Botschafterin, dem Intendanten Matthias Schulz und dem Opernhaus-Verwaltungsrats-Präsidenten und Ex-Zürcher Regierungsrat Markus Notter habe ein «persönlicher Austausch» stattgefunden.

Erfolg hatte Wenediktowa mit ihrer Cancel-Intervention jedoch keinen. In Zürich hält man am Programm fest. Der geplante Auftritt mit Netrebko soll stattfinden, bestätigt das Opernhaus.

Deshalb versucht die Botschafterin nun den Druck zu erhöhen. Involviert hat sie auch die Mitglieder des Zürcher Gemeinderats. In einem Schreiben vom 2. Oktober an alle Parlamentarier der Limmatstadt fordert Wenediktowa die Lokalpolitiker auf, «ihre Stimme zu erheben».

«Als Vertreter der starken Demokratie in Zürich bitte ich Sie, Ihren Einfluss geltend zu machen, um die geplanten Auftritte von Netrebko abzusagen.» Durch den Auftritt Netrebkos stehe «nicht nur das Ansehen» des Opernhauses auf dem Spiel, sondern «die Reputation der Stadt Zürich selbst», heisst es im Schreiben, das der Weltwoche vorliegt.

Wenediktowa spricht von «einem internationalen Skandal», da Netrebko ein «Markenzeichen des Putin-Regimes» geworden sei und als «Vertrauensperson» des russischen Präsidenten gelte.

Die ukrainische Botschafterin bezichtigt die Sopranistin, sich nicht von Putin distanziert zu haben. «Bis heute hat sie es vermieden, Putin klar als Aggressor zu benennen.»

Auch wirft sie der russischen Künstlerin unter anderem vor, bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 die olympische Hymne gesunden zu haben. Deshalb sei es das einzig Richtige, Netrebko wieder auszuladen. «Ein klares Zeichen der europäischen Einheit.»

Die Weltwoche hat mit Gemeinderäten gesprochen. Über das Vorgehen der ukrainischen Botschafterin zeigen Einzelne ihr Unverständnis. Namentlich genannt werden möchten sie aber nicht. Was Wenediktowa mache, sei «billig», ist zu hören. «Zu denken, man unterstütze den Krieg in der Ukraine, wenn die Sopranistin in Zürich singt, ist doch an den Haaren herbeigezogen.»

Wenediktowa verlangt zudem, dass auch die russischen Künstler Stanislav Vorobyov und Elena Guseva wieder ausgeladen werden. Auch sie sollen demnächst im Opernhaus auftreten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die ukrainische Botschafterin ihren Einfluss geltend macht. Im Herbst 2024 intervenierte Wenediktowa bei Verantwortlichen des Zürcher Filmfestivals ZFF gegen den Film «Russians at War» der Regisseurin Anastasia Trofimova. Der Film, der laut der Botschafterin russische Propaganda verbreitet haben soll, wurde in der Folge nicht ausgestrahlt.

Beim Opernhaus beisst die ukrainische Botschafterin, die sich aufführt wie eine Art Kulturministerin der Schweiz, nun auf Granit.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.