Immer mehr deutsche Autozulieferer kehren ihrer Kernbranche den Rücken und orientieren sich strategisch in Richtung Rüstungsindustrie. Das geht aus einer neuen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch hervor, über die das Handelsblatt berichtet.
Von 47 befragten Firmen gaben vier Fünftel an, neue Geschäftsfelder zu erschliessen – jeder vierte Betrieb setzt dabei auf das Verteidigungsgeschäft. Als Hauptgrund für den Kurswechsel nennt FTI-Andersch-Vorstand Ralf Winzer die strukturelle Krise der Autobranche: «Viele Autozulieferer wenden sich neuen Industrien zu, weil sie in der eigenen Branche keine ausreichende Perspektive mehr sehen.» Die Umstellung auf Elektromobilität und der damit verbundene Rückgang des Verbrennermarktes treffen fast zwei Drittel der Unternehmen. Mehr als ein Viertel berichtet zudem von der Schwierigkeit, an Kredite zu kommen.
STEFAN PUCHNER / KEYSTONE
Auch geopolitische Risiken zwingen die Firmen zum Umdenken. Statt sich auf wenige Lieferanten zu verlassen, bauen viele ihre Versorgungsketten um. Eine enge Zusammenarbeit mit chinesischen Autoherstellern, die auf den europäischen Markt drängen, kommt für die meisten jedoch nicht in Frage. Laut Studie halten vier von fünf Unternehmen solche Partnerschaften für schwierig.
In der zögerlichen Haltung gegenüber chinesischen Handelspartnern sieht Winzer einen strategischen Fehler. Er prognostiziert, dass OEMs aus China den Weltmarkt, vor allem im Bereich der Elektromobilität, entscheidend mitprägen werden. «Wer heute nicht versucht, Anschluss an diesen Markt zu finden, wird in einigen Jahren vollständig abgehängt sein», so Winzer.