Vor einigen Tagen traf die Weltwoche in Stuttgart Markus Frohnmaier, den AfD-Spitzenkandidaten in Baden‑Württemberg. Im Gespräch erzählte er eine Geschichte, die zu denken gibt. Frohnmaier hat zwei Kinder, vier und acht Jahre alt. Gegen seine Tochter, die den Kindergarten besucht, sei eine Petition gestartet worden. Das Mädchen solle die Einrichtung verlassen – nur, weil sie die Tochter eines AfD-Politikers ist.
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«Das zeigt, wie vergiftet das Klima ist», sagt Frohnmaier. Er sei daraufhin zum Elternabend gegangen und habe das Gespräch gesucht. Danach sei vieles plötzlich ein Missverständnis gewesen, man habe sich beruhigt und erklärt. Doch wer so etwas erlebt, vergisst es nicht. Der Reflex war vorhanden – und die Bereitschaft, einem Kind die Konsequenzen der Politik der Eltern spüren zu lassen, ebenfalls.
Der Fall steht sinnbildlich für das aufgeheizte gesellschaftliche Klima. Die politische Auseinandersetzung überschreitet zunehmend die Grenze zur persönlichen Ausgrenzung – und trifft mitunter jene, die damit am wenigsten zu tun haben: Kinder. Vierjährige wählen nicht, sie reden nicht über Politik, sie spielen.
Wenn Erwachsene trotzdem fordern, ein Kind solle ausgeschlossen werden, weil ihnen die politische Haltung des Vaters missfällt, zeigt das, wie tief die politische Vergiftung in Deutschland reicht. Noch beunruhigender ist jedoch, dass kaum jemand aufsteht und sagt: Stopp – bis hierhin und nicht weiter.
Eine Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht. Wenn politische Feindschaft bereits im Kindergarten ankommt, ist mehr als nur das Klima aus dem Gleichgewicht geraten.