Japan entwickelt sich zu einer ernstzunehmenden Weinnation, schreibt das Magazin Spectator. Die Erzeugnisse würden selbst französische Spitzenwinzer in den kalten Norden des Landes locken.
Das asiatische Land erlebt einen regelrechten Boom in der Weinproduktion: Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich die Zahl der Weingüter auf rund 500 verdoppelt. Symbolfigur dieser Entwicklung ist Etienne de Montille, ein Winzer in neunter Generation aus dem Burgund, der im rauen Klima Hokkaidos Reben pflanzt – eine Region, die eher für Skigebiete und Temperaturen von minus 30 Grad bekannt ist als für Grand Crus.
Die klimatischen Bedingungen könnten dabei kaum feindseliger sein: Feuchtigkeit, Gebirge, unzuverlässiger Sonnenschein und Taifune machen den Anbau zum Himmelfahrtskommando. «Wenn man ein Land entwerfen müsste, das furchtbar für den Traubenanbau ist, würde man Japan entwerfen», zitiert das Magazin den Weinhändler Jack Wild. Doch genau hier zeige sich der japanische Geist der Perfektionierung und Anpassung. Um die Trauben vor der Fäulnis durch den vielen Regen zu schützen, spannen Winzer winzige Regenschirme über einzelne Traubenbündel oder nutzen die traditionelle «Tanashiki»-Methode, bei der die Reben an Pergolen hängen. Im Winter werden die Stöcke gar unter Schneeschichten begraben, um sie zu isolieren.
Das Ergebnis dieser Sisyphusarbeit sind Weine von erstaunlicher Raffinesse, allen voran der Koshu. Diese bonbonrosafarbene Traube ergibt einen fast wasserklaren, täuschend leichten Wein, der laut der Spectator-Autorin Hannah Tomes erst in Kombination mit Essen seine wahre Kraft entfaltet.
Die Weintradition Japans ist keineswegs neu: Bereits 1870 schickte das Château Mercian, Japans ältestes Weingut, zwei Mitarbeiter nach Frankreich, um von den Meistern der Alten Welt zu lernen. Heute, da klassische französische Regionen für viele unerschwinglich werden, bietet Japan eine exotische, wenn auch mühsam abgetrotzte Alternative für Kenner, die das Besondere suchen.