Trotz Neutralität. Und trotz entscheidenden Zollverhandlungen. Die Schweiz hat sich im Streit um Grönland offiziell auf die Seite von Dänemark und Grönland – und gegen US-Präsident Trump – geschlagen.
«Gemäss Völkerrecht gehört Grönland zu Dänemark, mit einem weitreichenden Autonomie-Status». Jede Änderung dieses Status benötige die Zustimmung Dänemarks und Grönlands, liess das EDA auf Medien-Anfrage verlauten.
© KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Der Stellungsbezug gegen Trump, der Grönland käuflich erwerben will, kommt zum dümmsten Zeitpunkt. Am Mittwoch wird Trump in Davos erwartet, wo er von Bundespräsident Guy Parmelin empfangen werden soll.
Grundsätzlich gilt: Trump zu verärgern, ist das beste Rezept dafür, eigene Ziele zu torpedieren. Hat man in Cassis’ Departement das desaströse Telefonat von Karin Keller-Sutter mit Trump bereits vergessen?
Noch ist das Zollabkommen, das Parmelins Team – mit Schützenhilfe von namhaften Schweizer Wirtschaftskapitänen – mühselig von 39 auf 15 Prozent runtergehandelt hat, nicht in trockenen Tüchern. Bislang liegt bloss eine Absichtserklärung vor. Der endgültige Deal soll demnächst ausgehandelt werden.
«Ist der Abschluss des Zollabkommens nun in Gefahr?», wollten wir von Scott Bessent wissen.
Trumps Schlüsselminister, der die Weltwoche in Davos im kleinen Kreis zum Gedankenaustausch geladen hatte, schien noch nicht über die jüngste Schweizer Frontstellung gegen Trump informiert worden zu sein.
«Hat die Schweiz angekündigt, dass sie Vergeltungsmassnahmen ergreifen will?», erkundigte sich Bessent. Das hat die Schweiz bis dato nicht. «Sind wir also aus dem Schneider?» fragten wir beim Minister nach. «Ich kann nicht für den Präsidenten sprechen», erwiderte dieser knapp.
Wie immer hat Trump auch in dieser Frage das letzte Wort. Und wie es ausfallen wird, steht in den Sternen. Den Verhandlungen könnte durch das Grönland-Störmanöver also durchaus akute Gefahr drohen.
Gleich nach Ankunft in Davos am Montag sagte Bessent an einer ersten Pressekonferenz unter freiem Himmel auf Frage der Weltwoche: «Nach einer turbulenten Phase in den letzten Monaten sind die Beziehungen zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten wieder auf einem sehr guten Weg.»
Die meisten Probleme seien gelöst, präzisierte Bessent, der sich persönlich für ein Abkommen mit der Schweiz engagiert hat, später im kleinen Kreis.
Bessent liess deutlich erkennen, dass sich der Lead von Guy Parmelin in der Zollfrage auszahlt. «Bundespräsident Parmelin hat ein viel besseres Verständnis für Wirtschaft und Handel als seine Vorgängerin und ist sehr gut im Vorantreiben von Projekten.»
Nach Stolpersteinen auf dem verbleibenden Weg zu einem Abkommen gefragt, sagte Bessent: «Vielleicht die Pharmaindustrie. Ich bin mir nicht sicher, ob es ausser der Pharmaindustrie andere offene Fragen gibt. Soweit ich weiss, sind wir auf einem guten Weg.»
Ob dies weiterhin so ist, wird sich nach Trumps Ankunft in Davos weisen.