Die Schweiz steht in Pole-Position für einen Handelsvertrag mit US-Präsident Trump. Ihr Vorgehen wird ausdrücklich gelobt. Die Schweizer hätten den USA «sehr interessante Vorschläge» gemacht.
Dies erklärten US-Finanzminister Scott Bessent und der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer gegenüber der Weltwoche in einem Gespräch im kleinen Kreis.
«Ich lobe die vorausschauende Art der Schweizer, und sie haben wirklich einige sehr interessante Vorschläge gemacht», sagte Bessent.
Weltwoche-Reporter Urs Gehriger mit US-Finanzminister Scott Bessent
Die Rede ist von neuen Direktinvestitionen der Schweizer Wirtschaft in die USA. Den Umfang bezifferte Bessent mit «150 bis 200 Milliarden Schweizer Franken». Er deutete an, dass die Zahl wohl noch höher ausfallen könnte.
«Die Schweizer haben sich sehr vorausschauend verhalten und sind in bilaterale Verhandlung mit den Vereinigten Staaten eingetreten, in deren Zuge wir in den letzten Wochen sehr konstruktive Gespräche geführt haben», ergänzte Greer.
Die Schweiz hat seit vielen Jahren sehr solide bilaterale Beziehung zu den USA. Während Präsident Trumps erster Amtszeit stieg sie von Platz acht auf Platz sechs der grössten ausländischen Direktinvestoren auf.
Die Weltwoche unterstrich gegenüber Bessent und Greer, dass die auferlegten Strafzölle von 31 Prozent die Schweizer schockiert hätten. Wo wir bei den Zollverhandlungen aktuell stehen, wollten wir wissen.
«Das Vereinigte Königreich und die Schweiz haben einen sehr guten Job gemacht, indem sie sich an die Spitze der Warteschlange gestellt haben», erklärte Bessent.
Auf die Frage, ob die Schweiz damit rechnen könne, dass die Zölle wieder komplett gestrichen würden, sagte Trumps Finanzminister mit einem Lächeln. «Ich kenne die Familie Trump seit dreissig Jahren. Mit Präsident Trump sind die ersten Deals üblicherweise die besten Deals.»
Für die Verhandlungen mit den USA ist es offensichtlich hilfreich, dass die Schweiz als Gastgeber für die letztes Wochenende erfolgreich abgeschlossenen Gespräche zwischen China und den USA einen positiven Eindruck hinterlassen hat.
«Ein grosses Dankeschön an die Schweizer Regierung für die Bereitstellung des Veranstaltungsortes», sagte Bessent.
An der darauffolgen Pressekonferenz über die Verhandlungen mit den Chinesen erklärte Bessent: «Die USA können viel von der Schweiz lernen.» Und Greer ergänzte: Die neutrale Schweiz schaffe eine «unglaublich förderliche» Atmosphäre für Verhandlungen.
Am Freitag hatten Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Vizepräsident Guy Parmelin offenbar erfolgreich ihre bilateralen Verhandlungen mit den USA fortgesetzt. Er freue sich, dass man sich mit den Schweizern auf «eine Beschleunigung der Handelsgespräche geeinigt» habe, erklärte Bessent auf X. «Wir sind optimistisch, was die Geschwindigkeit dieser Verhandlungen angeht.»
Man habe vereinbart, dass die Schweiz innert weniger Tage einen detaillierten Vorschlag vorlegen werde, um ein Abkommen baldmöglichst abzuschliessen.