Der Umgang mit neuen Medien will gelernt sein. Diese Erfahrung machen gerade die Aktivisten von Shout Out UK, die mit ihrer Site «politische Bildung» vermitteln und der «Jugend eine Stimme geben» wollen. Sie selbst oder ihnen nahestehende Kreise schufen das Meme «Amelia».
Das Bild verkörpert ein munteres Girl mit lila Haaren, das politisch Unkorrektes von sich gibt. Sie sagt etwa Dinge wie: «Wir lieben unser Curry, aber dafür brauchen wir die Rezepte von zwanzig Millionen zugewanderten Indern nicht.» Oder sie lässt einen homosexuellen Polizisten einen rechtschaffenen Bürger verhaften. Das alles soll als Warnung für den in Grossbritannien angeblich aufziehenden Faschismus dienen.
Dumm nur, dass die Botschaft anscheinend bei den meisten oder zumindest sehr vielen Usern falsch angekommen ist. Sie finden Amelia nämlich toll, nicht etwa eine reaktionäre Göre, der das Maul zu verbieten wäre. Ganz im Gegenteil – Amelia ist zur kleinen Heldin der sozialen Medien aufgestiegen.
Pech gehabt, liebe Internet-Propagandisten, möchte man sagen und denkt an den amerikanischen Regisseur Orson Welles. Als das Radio noch ein neues Medium war, wollte er Ende der dreissiger Jahre mit seinem Hörspiel «Krieg der Welten» – je nach Lesart – vor dem Faschismus in Deutschland oder Kommunismus in der Sowjetunion warnen.
Welles täuschte eine Invasion von Marsmenschen vor, die die Welt unterdrücken wollten. Doch er machte die Rechnung ohne sein Publikum: Die meisten dachten nicht im Traum an einen neuen Weltkrieg, sondern nahmen die Geschichte der Ausserirdischen für bare Münze.
Das Beispiel zeigt, wie der Umgang mit neuen Medien gelernt sein will, auch mit den sozialen.