Ringier-CEO Marc Walder erwartet ein massives Zeitungssterben in der Schweiz und sieht langfristig nur noch drei überlebensfähige digitale Medienmarken. Walder sagte im Interview mit der NZZ am Sonntag: «Digital dürften in der Schweiz nur drei Medienmarken ökonomisch überleben: die NZZ, der Blick und 20 Minuten. Und – subventioniert – natürlich SRF.ch.»
Urs Flueeler/Keystone
Der Chef des grössten Schweizer Medienkonzerns begründet diese Prognose mit einem strukturellen Einbruch der Werbeeinnahmen und der wachsenden Dominanz globaler Plattformen. Seit 2010 sei der Print-Werbemarkt von 3 Milliarden auf rund 650 Millionen Franken geschrumpft. Gleichzeitig flössen rund 80 Prozent der digitalen Werbegelder an Konzerne wie Google, Meta und Amazon. Auch Ringier habe «mehrere hundert Millionen Umsatz» in der Mediensparte verloren.
Besonders unter Druck geraten laut Walder Regional- und Lokalmedien. Deren Geschäftsmodelle seien digital «nicht aufrechtzuerhalten». Künftig gebe es nur zwei funktionierende Modelle: Reichweite oder hochspezialisierte Nische. Als Beispiele nennt er Massenangebote wie Blick und 20 Minuten sowie Qualitätsangebote wie die NZZ.
Parallel verschärft sich der strukturelle Umbruch durch künstliche Intelligenz. Walder erwartet «markante Verschiebungen» bei Jobs und Prozessen. «Wer KI beherrscht, gewinnt. Wer nicht, verliert.» Gleichzeitig warnt er vor einem Qualitätsverlust durch KI-generierte Inhalte und spricht von einer «letzten Chance für guten Journalismus».
Auch intern steht Ringier vor Umbrüchen. Nach dem überraschenden Abgang von Robin Lingg ist die Nachfolge in der Gründerfamilie offen. Walder betont jedoch: «Ringier ist eines der traditionsreichsten Familienunternehmen der Schweiz. Bald 200 Jahre alt. Daran ändert sich nichts.»
Der Konzern rechnet dennoch mit einem deutlichen Abbau seines Portfolios. Von heute rund 120 Medienmarken werde «in zehn Jahren deutlich weniger» übrig bleiben. Die Branche stehe nach zwei schwierigen Jahrzehnten vor einer nochmals härteren Phase.