Die Debatte über digitale Gewalt weitet sich aus – und stellt zunehmend grundlegende Fragen nach Verantwortung und Täterschaft. In der ARD-Sendung «Caren Miosga» forderte die Aktivistin Theresia Crone eine Abkehr vom klassischen strafrechtlichen Täterbegriff. Crone sagte: «Wir müssen davon wegkommen, Täter nur im strafrechtlichen Sinne zu sehen». Anlass der Diskussion war unter anderem der Fall von Collien Fernandes, die ihrem Ex-Mann vorwirft, über Jahre Fake-Profile in ihrem Namen betrieben und intime Inhalte verbreitet zu haben.
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Crone machte deutlich, dass aus ihrer Sicht bereits passives Verhalten wie Zuschauen, Nichteingreifen oder das Weiterverbreiten von Inhalten als Form der Beteiligung gewertet werden könne. Auch alltägliche Situationen wie das Billigen problematischer Handlungen im Freundeskreis oder das Dulden von Witzen über sexualisierte Gewalt könnten nach ihrem Verständnis in diese Kategorie fallen. Zuvor hatte sie erklärt, dass in ihrem Fall «Hunderte Männer das kommentiert, geteilt, repostet, mitgemacht» hätten. Daraus leitete sie die Forderung ab, Verantwortung breiter zu definieren – auch im sozialen Umfeld. Männer müssten stärker untereinander über solche Verhaltensweisen sprechen.
Die Aktivistin war kurzfristig in die Runde aufgenommen worden. Zuvor hatte die Redaktion den Anwalt von Christian Ulmen ausgeladen, mit der Begründung, die Besetzung stehe bereits fest – später wurde sie jedoch erweitert. Die Diskussion zeigt: Der Begriff der Täterschaft wird zunehmend über das Strafrecht hinaus interpretiert.