Es atmet noch immer den Glanz der verblichenen Habsburger-Doppelmonarchie: Das prachtvolle Museum der Schönen Künste am Heldenplatz in Budapest wurde 1906 von Kaiser Franz Joseph persönlich eingeweiht. Es zeigt Meisterwerke von den alten Hochkulturen bis etwa 1800, darunter Gemälde von da Vinci, Raffael und El Greco. Die Ungarn sind zu Recht mächtig stolz auf dieses seit dem Ende des Kommunismus wieder prächtig instand gehaltene nationale Zentrum für die europäische und aussereuropäische Kunst.
Eine am heutigen Donnerstag eröffnete Ausstellung ist indessen den bedeutendsten Malern der damals vergleichsweise armen, bescheidenen Schweiz gewidmet. Im Beisein von Silvia und Christoph Blocher wurde unter dem Titel «Desire for an Earthly Paradise» eine Auswahl von Werken aus der Privatsammlung Blocher dem Publikum zugänglich gemacht. Die von Matthias Frehner, dem früheren Direktor des Kunstmuseums Bern, meisterhaft kuratierte Ausstellung zeigt Werke des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts von Albert Anker, Ferdinand Hodler, Giovanni Segantini, Giovanni und Augusto Giacometti, Cuno Amiet, Félix Vallotton und Adolf Dietrich.
Gleich eingangs wird betont, dass sich eine eigentliche nationale «Schweizer Schule» von Kunstmalern nie gebildet hat – genauso wenig, wie es in der föderalistischen Schweiz eine Nationalgalerie gibt. Jede der ausgestellten Persönlichkeiten entwickelte einen ganz eigenständigen, individuellen Malstil. Gemeinsam war ihnen aber, dass sie die Motive aus ihrer schweizerischen Umgebung schöpften – einer Art irdischem Paradies in einem damals auch touristisch zunehmend entdeckten Sehnsuchtsland.
In äusserst geschickter thematischer, nicht biografischer Zusammenstellung führt die Ausstellung vom Privaten – vorab von den Kinderporträts – zu den symbolistischen Landschaften. Es zeigt sich, dass Albert Anker bei der Darstellung von Menschen und Stillleben den Vergleich mit den grössten Niederländern nicht zu scheuen braucht. Und die Wucht von Bergen, Seen und Himmel eines Ferdinand Hodler dürfte gerade im topografisch eher flachen Ungarn besonders faszinieren.
Die jetzt in Budapest gezeigten Werke der Sammlung Blocher zeigen eindrücklich, welch grosse Kunst die Schweiz im Bundesstaat nach 1848 hervorgebracht hat. Dieser Durchbruch zu Freiheit und Demokratie ist in Ungarn 1848/49 gescheitert. Den ungarischen Volksaufstand gegen die sowjetischen Panzer vom Jahr 1956 hat Christoph Blocher als Bauernlehrling noch in durchaus frischer Erinnerung, wie er an der Ausstellungseröffnung betonte.
Auch die Gastgeber bekräftigten an der Vernissage vor viel Prominenz die gute Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen Ungarn und der Schweiz, welche gerade auch diese Auswahl von Meisterwerken aus der Sammlung Blocher symbolisiert. Die Ausstellung «Desire für an Earthly Paradise» im Museum der Schönen Künste in Budapest dauert vom 27. März bis zum 7. Juni 2026.