Der Widerstand gegen Netanjahus Politik wächst nicht nur im Ausland, sondern zunehmend auch in Israel. Eine deutliche Mehrheit – 68,9 Prozent – gibt in einer Umfrage an, dass sie eine von Trump angeführte regionale politische Initiative unterstützen würde, die die Rückkehr aller israelischen Geiseln, ein Ende des Krieges im Gazastreifen, eine Normalisierung der Beziehungen zu Saudi-Arabien, einen Weg zur Trennung von den Palästinensern und die Bildung einer von den USA angeführten regionalen Sicherheitskoalition gegen den Iran vorsieht.
ABIR SULTAN
Die meisten Israelis glauben, dass Premierminister Benjamin Netanjahu mehr daran interessiert ist, an der Macht zu bleiben, als den Krieg zu beenden oder die Geiseln zu befreien. Dies ergab eine Umfrage des israelischen Fernsehens. Auf die Frage, was Netanjahus Hauptziel sei, antworteten 55 Prozent der Befragten in der Umfrage von «Channel 12 News», dass er an der Macht bleiben wolle, nur 36 Prozent sagten, er wolle die Geiseln zurückholen, und 9 Prozent waren sich nicht sicher.
Die Familien der Geiseln werfen derweil Netanjahu eine verheerende Strategie vor. Der Krieg werde die Geiseln sicherlich nicht nach Hause bringen. Im Gegenteil, sie gefährde die Geiseln, die noch am Leben sind, und werde die Rückführung der im Gazastreifen festgehaltenen Leichen weiter erschweren.
Auch frühere Spitzenpolitiker melden sich zu Wort: Ex-Premierminister Ehud Olmert verurteilte die Militäroperationen im Gazastreifen als «abscheulich und empörend» – sie könnten angesichts der hohen zivilen Opferzahlen «an Kriegsverbrechen grenzen».
Ehud Barak, ebenfalls früherer Premier und Generalstabschef, warnte vor einem militärischen Dauerzustand ohne Ausstiegsstrategie. Er warf Netanjahu vor, sein politisches Überleben über das nationale Interesse zu stellen, insbesondere durch die Blockade der Geiselverhandlungen. Einen «totalen Sieg» über die Hamas, den Netanjahu immer wieder beschwört, hält Barak für eine Illusion – fortgesetzte Militäreinsätze ohne diplomatische Perspektive würden Israels Ruf schaden und die Beziehungen zu den Nachbarstaaten weiter belasten.
Peter Lerner, ehemaliger Sprecher der israelischen Armee, kritisiert die Regierung ebenfalls scharf: «Wenn unser Mitgefühl im Zorn untergeht, verlieren wir nicht nur die Moral – wir verlieren uns selbst.» Israels Geschichte verliere an Kraft, «wenn wir aufhören, auch den anderen ins Gesicht zu sehen. Nicht der Hamas – sondern den Menschen dahinter.»