Es kommt auch im Wallis, wo mit teils harten Bandagen politisiert wird, eher selten vor, dass ein Nationalrat eine Ständerätin als Fehlbesetzung beschimpft. Doch genau das ist jetzt geschehen. SVP-Nationalrat Michael Graber, ein Klartextredner, kritisierte in einer Kolumne im Walliser Boten, dass Mitte-Ständerätin Marianne Maret auch in ihrer zweiten Amtszeit den Erwartungen nicht gerecht werde. Sie sei als erste Frau in den Walliser Ständerat gewählt und dann mit viel Vorschusslorbeeren nach Bern geschickt worden. «Im Nachhinein muss man leider sagen: Marianne Maret, die ich als Person sehr schätze, ist als Walliser Standesvertreterin leider eine Fehlbesetzung», schrieb der Jurist und Notar.
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Was hat Graber dermassen gegen Maret aufgebracht? Nun, die aus dem französischsprachigen Kantonsteil stammende Ständerätin ist eine Hinterwälderin, die bisher in Bern kaum aufgefallen ist – ausser mit ihrem Engagement gegen vegane Raclettes und mit jenem Entscheid eben, den Graber ihr zum Vorwurf macht. Sie war es, die mit ihrer Stimme den Ausschlag gab, dass die kleine Kammer das Ständemehr bei den EU-Verträgen ablehnte.
Es ist eine der heissdiskutierten Fragen in Bern – nämlich, ob sowohl das Volksmehr wie auch die Mehrheit der Kantone nötig sein werden bei der Abstimmung über das Brüsseler Vertragspaket – was die Gegner dieser Vorlage und Marets Walliser Amts- und Parteikollege Beat Rieder fordern. Während die Mitte-Ständerätin bei dieser Abstimmung nichts Besseres zu tun wusste, als mit den linksliberalen EU-Turbos zu kuscheln. Man kann sich auch so ins Rampenlicht stellten.